Full text: Organisation

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I. Die Grundurteile der Politik. 
Wo unsere Kultur Gleichheiten aufstellt und gleiche 
Maßstäbe anlegt, befinden wir uns nicht mehr im 
wirklichen Leben, sondern im Bereich reiner Normen, 
eines an Alle gerichteten Sollens, das bewußtermaßen 
von der Ungleichheit des Vollzugs seiner Forderungen 
absieht. Hier ist Rationalismus am Platz, weil diese 
Ordnungen eben von der Vernunft und dem Denken 
vorgenommen werden und die mechanische Konsequenz 
ist durch die Eigenart dieser Gebiete ausgeschlossen. 
So erhebt die Religion (besonders die sogen. Welt 
religion) ihre Stimme für alle Menschen ohne Unter 
schied und ebenso die allgemeine ideale Ethik (Gebote 
der Humanität, Menschlichkeit, Tugend usw.) und die 
für alles wertvolle Denken geltende Logik. Sitte und 
Recht, die speziellen Ausgestaltungen der Ethik, gelten 
schon nur mehr für bestimmte Volker und Staaten lind 
wollen nur deren Angehörige als gleich betrachten; 
so gilt deutsches Recht nicht für Neger, die Sitten der 
sogen, guten Gesellschaft nicht für den Bauern usw. 
Sobald aber durch diese an Alle gleichmäßig ergehen 
den Gebote und Forderungen etwas praktisch erreicht 
werden soll, hört die theoretische Gleichheit sofort auf; 
will man religiös (Kirche) oder ethisch (Volksleben) 
oder logisch (Wissenschaft) etwas „organisieren", so rech 
net man auf einmal ganz bewußt mit der Ungleichheit. 
Der Pfarrer predigt, nicht jeder Beliebige; die Ge 
meinde singt und er nicht. So sicher die „zehn Gebote" 
oder die Bergpredigt keinen Unterschied machen, so 
steht doch daneben der Satz: „wem viel gegeben ist, 
von dem wird viel verlangt" (und umgekehrt) und 
weder unser sittliches Urteil noch das des Strafrichters 
niißt Alle mit gleichem Maßstabe. Der spezielle „Be-
	        
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