Full text: Organisation

II. Akratie und Ariftagie. 
historische Gesetz der Läuterung und Veredlung durch 
die Opposition, bezw. die Nötigung zu geistiger Ver 
teidigung, wie es z. B. die Veredlung der katholischen 
Kirche durch die Reformation schlagend zeigt. Im Ge 
gensatz bekonnnt es weder Päpsten noch Fürsten (Na 
poleon I.), wenn sie schrankenlos herrschen oder doch 
es zu können glauben; der Tyrann und Autokrat galt 
schon dem Altertum als schlechter Herrscher. Es soll 
auch keine absolute Weltmacht im vollsten Wortsinn 
geben; auch keine geistige Tyrannei, keine alles über 
ragende Partei, noch absolute Vorherrschaft eines 
Standes. 
Das Streben nach schrankenloser Gewalt über 
andere Menschen ist eben im tiefsten Grunde unsitt 
lich; und auch die Mittel sind es, durch die eine solche 
allein zu ereichen ist. Ein ethisch gerichteter Wille be 
gehrt niemals absolute Macht und es gibt auch keine 
„guten" Mittel und Wege, zu diesem Ziele zu gelan 
gen. Normativ, wie praktisch und psychologisch be 
trachtet ist ein solcher Wille zu uneingeschränktem Unter 
drücken fremden Willens unberechtigt und zu verwer 
fen; er widerspricht den Prinzipien menschlicher Willens 
freiheit, Individualität und persönlichen Wertes. So 
läßt sich eine ganze Reihe von Gedankengängen in dem 
Begriffe Akratie zusammenfassen, und das zeigt den 
Wert eines Begriffes, ob er eine genügende Zahl 
wertvoller Urteile in einem Worte auszudrücken vermag. 
Gehen wir von der schärfsten Begriffsbildung des 
Kratein zu der nächstmilderen des Archein über, so 
kommen wir aus dem Gebiet des ethisch Unberechtig 
ten in das des Berechtigten und tatsächlich Verwirk 
lichten. Faßt man darunter das Herrschen als Regie
	        
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