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II. Akratie und Aristagie.
Herrschaftsformen. Lenken, den Einzelwillen die Richtung
geben, ist die Aufgabe, die der zweite Teil des
Wortes bezeichnen will; das muß stattfinden, wo immer
gemeinsame Ziele erreicht werden sollen; aber wer
soll lenken, führen oder leiten?
„Ist gleich die Zahl nicht voll, das Herz ist hier des
ganzen Volkes, die Besten sind zugegen", sagt Melchthal
in der Rütliszene von Schillers Wilhelm Teil.
Aristvi heißt „die Tüchtigsten" — nicht etwa der Adel.
Wenn man den Geburtsadel für die Edelsten einer
Nation hält oder durch Verdienstadel die Tüchtigsten
auszuzeichnen sucht, so fließen die Grenzen der beiden
Begriffe gelegentlich ineinander; aber prinzipiell liegt
in dem Worte nichts, was auf Abstammung oder Sonderrechte
hinweist, sondern es ist eine ethische Wertbezeichnung.
„Niemand soll eines anderen Herr sein"
— aber: „Richtung weisen sollen die Tüchtigsten"; so
wird die negative Bestimmung durch eine positive ergänzt;
die Akratie bedarf des Prinzips der Aristagie.
Es betont zunächst mehr eine Pflicht als ein Recht:
wer sich als Aristos fühlt, soll und muß versuchen, zu
führen und darf nicht glauben, die „Entwicklung" werde
das von ihm Gewünschte von selbst zutage fördern.
Das scheint mir in unserer Zeit ein wichtiger Gesichtspunkt.
Der Gedanke einer Aristagie schließt das laisser
faire, laisser aller völlig aus und steht in striktem Gegensatz
zu dem Glauben an das Wunder einer Entwicklung,
in der nicht Persönlichkeiten die Führung übernehmen.
Eine solche ist möglich, aber nicht im Sinne
der Aristvi; nicht nach oben, sondern nach unten. Wie
ein Körper seine Wärme verliert, ohne daß er von
selbst wieder wärmer würde, so verliert der Volkskörper