Full text : Organisation

III.  Das  Führerproblem.

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Man  kann  solche  Unterschiede  auch  entwicklungsgeschichtlich
  fassen;  so  sagt  Hammacher  (S.  112):  „Die
bisherigen  Führer  der  neuen  Welt,  die  Unternehmer
und  die  Gelehrten  werden  nun  allmählich  verdrängt ­
  ....  Der  Gelehrte  wird  durch  den  Journalisten, ­
  der  Unternehmer  durch  den  Arbeiterführer,
beide  durch  den  Abgeordneten  ersetzt."  Weiterhin  wird
ein  Gegensatz  der  Intellektuellen  und  Antiintellektuellen
aufgestellt,  zu  welch'  letzteren  vor  allem  die  religiösen
und  künstlerischen  Menschen  gehören  und  schließlich  als
„Endergebnis  des  Rationalismus"  ein  „Kampf  zwischen
Masse  und  Individuum  auf  Tod  und  Leben"  als  Kennzeichen ­
  unserer  heutigen  Kultur  festgestellt.  Ob  diese
damit  richtig  charakterisiert,  ob  das  Verdrängen  und
Ersetzen  wirklich  in  bedeutendem  Maße  stattfindet,
gehört  nicht  hierher;  es  soll  damit  nur  gezeigt  werden,
daß  das  Führerproblem  auch  eine  kulturhistorische
Seite  hat  und  dadurch  die  einzelnen  Fragen  desselben ­
  noch  bedeutend  kompliziert  werden  können.
Der  Begriff  „Kultur",  das  heutige  Hauptschlagwort,
fördert  bei  der  Führerfrage  überhaupt  nicht,  denn  einmal ­
  kann  jemand  ein  eminenter  „Kulturträger"  sein
und  doch  zum  Führer  nicht  geeignet,  und  dann  stecken
so  viel  einzelne  persönliche  Wertungen  in  dem,  was
jeder  Kultur  nennt,  gibt  es  auch  so  viel  Überkultur  und
kultürlich  indifferente  „Zivilisation",  daß  dieses  Wort
mehr  erschwert,  als  klärt.  Religiöse,  ethische,  ästhetische, ­
  Politische  Werturteile  wirken  zusammen  in  den
„Kulturanschauungen"  der  Einzelnen  und  der  Parteien
und  davon  kann  die  Frage  nicht  abhängig  sein,  wer  ein
Aristos  ist;  sonst  fällt  sie  einfach  zusammen  mit  einem
Glaubensbekenntnis,  Parteiprogramm  oder  philosophi-
            
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