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TU. Das Führerproblem.
scher Richtungsbestimmung. Für den Einzelnen ist
das klar und leicht; natürlich wählt er sich sein Vorbild
und Führer nach seiner Gesinnung und nennt den den
„Besten" und „Tüchtigsten", der seinen Ansichten den
kräftigsten Ausdruck gibt. Das spezielle Führerproblem
aber muß sich von diesen Unterschieden unabhängig
machen, denn es ist ein psychologisch-pädagogisches,
kein partei-politisches; die von Führern zu lösenden
konkreten Aufgaben bestimmt Geschichte, Empirie
und Weltanschauung. Sie sind so mannigfaltig, als die
„Kultur"aufgaben einer Zeit; jede Zeit und jede
Tendenz aber bedarf zur Erreichung ihrer Ziele der
Aristagen.
Sehr wichtig dagegen ist es, zu unterscheiden zwischen
Führern, die neue (wenn auch nur im kleinen neue)
Ziele sehen und finden sollen und solchen, die nur die
Mittel und Wege zu feststehenden Zielen besser kennen
als andere". Ich möchte sie in Kürze als theoretische
und Praktische Führer bezeichnen; die erforderlichen
Gaben und Eigenschaften aber sind bei beiden Arten
durchaus nicht die gleichen. Für die theoretischen
Führer ist die geistige Begabung die Hauptsache;
man spricht ja häufig von „führenden Geistern". In
tellekt ist da die Hauptsache, dazu lebhaftes Gefühl
für Wichtigkeit und Bedeutung der Ziele; die Charak
tererfordernisse aber treten zurück und ein blinder oder
gelähmter Denker kann auf diese Art wirken. Und
nicht nur durch Wort, sondern auch durch die Schrift,
nicht nur in einer Gegenwart, sondern in ferne Zukunft.
An diese Art geistiger Führer und Autoritäten sind wir
gewöhnt und da liegen auch nicht die Schwierigkeiten;
niemand kann sich ihnen entziehen und wer sich von