Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co., Leverkusen.
So können die auf dem linken Rheinufer wohnenden Arbeiter kostenlos ein Motorboot
der Firma zur Überfahrt benutzen. Ferner erhalten die Arbeiter, welche die Kleinbahn
Leverkusen-Mülheim benutzen, 50 % des Fahrgeldes zurückvergütet.
III. Einrichtungen auf dem Gebiete des Bildungswesens.
A. Einrichtungen für alle Werksangehörigen.
ALLGEMEINES. (ZENTRALSTELLE FÜR BILDUNGSWESEN.) Bei allen Wohl
fahrtseinrichtungen wird in den Farbenfabriken keinerlei Unterschied zwischen Arbeitern
und Beamten gemacht; so richten sich auch alle öffentlichen Vorträge, Kurse usw.
an sämtliche Werksangehörigen und ihre Familien. Die Aufgabe der Zentralstelle, deren
Leiter von einem aus wissenschaftlichen Beamten bestehenden Ausschuß unterstützt wird,
besteht darin, bestehende Bildungsbestrebungen z. B. in den Vereinen usw. zu einer Einheit
zusammenzufassen und andererseits neue Unternehmungen zu schaffen. Der Ausschuß
veranstaltet allwinterlich regelmäßige Kurse und einzelne Vorträge und Unterhaltungs
abende. So wurden z. B. 1912/13 Kurse und Vorträge aus den Gebieten der Chemie und
Physik, Geographie, Kulturgeschichte, Volkswirtschaftslehre, Gesundheitslehre usw. ab
gehalten, ferner wurden eine Reihe von musikalischen Matineen unter Mitwirkung von
Künstlern veranstaltet, Wohnungseinrichtungen im Musterhaus besprochen und dergleichen
mehr. Hierzu gehören noch die Sprachkurse der Sprachvereinigung, die Lehrgänge des
Stenographenvereins, die Vorträge des Gartenbauvereins und die Theaterabende der drama
tischen Vereinigung. Von größeren Einzelveranstaltungen seien ein Ganghofer-Abend,
ein Vortrag des Herrn von Hesse-Wartegg, ein Konrad-Dreher-Abend, ein Vortrag Henry
Thodes, ein Kinematographenabend von Professor Wempe, mehrere große Künstler
konzerte, ein Vortragsabend des Majors von Abercron genannt. Der Besuch aller Ver
anstaltungen steigt von Jahr zu Jahr. Die Zentralstelle besorgt ferner alles, was irgend
wie mit Bildungszwecken zusammenhängt, die künstlerische Ausschmückung der Aufent
haltsräume und ähnliches, sie unterhält eine Auskunftsstelle für Reise- und Wanderangelegen
heiten und dergleichen mehr. Auch werden verschiedentlich größere Ausstellungen ver
anstaltet, so eine Kolonialausstellung und eine Ausstellung von Kunsttöpfereien. Das Zen
tralorgan all dieser Bestrebungen ist die allmonatlich in einem Umfang von 10—16 Seiten
erscheinende Zeitschrift „Die Erholung“, die gleichzeitig als Organ der Gesellschaften
und Vereine, wie als Publikationsorgan für allgemeine Bekanntmachungen der Fabrik
dient. Das Blatt erscheint in einer Auflage von 6000 Exemplaren.
BÜCHEREI. Die Bücherei soll der Belehrung und Unterhaltung der Werksangehörigen
in Leverkusen durch Ausleihen geeigneter Werke dienen. Sie wurde 1902 eingerichtet
und besitzt zurzeit ca. 15 000 Bände aus den Gebieten der populären Wissenschaft und der
schönen Literatur. Die Benutzung ist unentgeltlich. Die Einrichtung wurde von Anfang
an sehr stark benutzt. Die Ausleihe des Jahres 1912 betrug über 100 000 Bände, eine im Ver
hältnis zur Leserzahl (ca. 3400) sehr hohe Zahl. Etwa die Hälfte der Entleihungen entfällt
auf die schöne Literatur, die andere auf populärwissenschaftliche Werke.
Den Einfluß der Bücherei auf den Geschmack der Leser beweist mehr als alles andere,
der hier folgende Anfang der Liste der im Jahre 1911 meistgelesenen Werke. Es wurden
gelesen:
Viebig, CI., Die Wacht am Rhein
Freytag, G., Die verlorene Handschrift
Ganghofer, L., Die Martinsklause . .
Fontane, Th., Irrungen, Wirrungen
Der Jäger von Fall