Full text : Die Zukunft unserer Wirtschaft

23.

XIV-Die

  Kriegssteuer  ist  von  allen  Einnahmequellen  die
nächste,  sie  wirft  denn  auch  schon  ihre  Schatten  voraus.
Unsere  Geschäftswelt  fragt,  bei  jedem  Schritte  besorgt:
„Ja.  werde  ich  da  nicht  Kriegssteuer  zahlen  müssen?“
Es  ist  eben  nicht  jedermanns  Sache,  sich  darein  zu  finden,
daß  man  einen  Gesellschafter  habe,  der  ohne  die  Gefahr
zu  teilen,  die  Hälfte  oder  mehr  von  dem  Nutzen  in  Anspruch ­
  nimmt.  Die  Ueberzeugtmg,  daß  die  Erhaltung  des
Staatskredites  eine  Sache  sei,  die  jeden  von  uns  angeht,
die  von  jedem  Opfer  fordert  und  einem  jeden  seine  Opfer
lohnt  —  diese  Ueberzeugung  hat  sich  noch  keineswegs
zur  Geltung  durchgerungen.  So  entstehen  die  seltsamsten
Zustände;  man  vermeidet  es,  Gewinne  zu  realisieren,
weil  die  hohe  Abgabe  eine  Art  Prämie  für  längeres  Durchhalten ­
  zu  bieten  scheint.  Am  schärfsten  tritt  das  natürlich
an  der  Börse  hervor:  und  es  ist  nicht  zuviel  gesagt,  wenn
man  den  ganz  ungerechtfertigten  Hochstand  der  Kurse
mit  darauf  zurückführt,  daß  die  glücklichen  Spekulanten
ihre  Effekten  lieber  behalten,  ehe  sie  von  dem  Gewinne,
den  sie  erzielen  würden,  so  viel  an  den  Staat  abgeben.
Dieser  Zustand  ist  für  die  Steuerträger,  und  noch
mehr  für  die  Finanzverwaltung,  durchaus  unbefriedigend.
Eine  Abhilfe  wäre  wohl  nur  darin  zu  finden,  wenn  für  die
Ermittlung  der  Kriegssteuer,  in  weiterer  Abweichung  von
dem  Personalsteuergesetze,  auch  die  noch  nicht  realisierten, ­
  dem  Werte  nach  bereits  vorhandenen  Gewinnste
maßgebend  erklärt  würden.*)
Im  übrigen  bedarf  die  Kriegssteuer  einer  mehr
durchdachten  Behandlung,  als  ihr  in  den  Steinwend ­
  e  Eschen  Anträgen  zuteil  wurde.  Kapitalsassoziationen ­
  progressiv  nach  der  absoluten  Höhe  ihres  Erträgnisses ­
  heranzuziehen,  ist  ein  Unding  —  nicht  einmal  so
sehr,  weil  den  großen  Unternehmen  zu  wenig,  als  vielmehr, ­
  weil  den  kleinen  zu  viel  bleibt.  Wenn  eine  Gesellschaft ­
  mit  einem  Kapitale  von  einer  Million  eine  Million
verdient  hat,  ist  es  zu  w-enig,  wenn  ihr  600.000  Kronen
genommen  werden,  weil  ihr  noch  ein  Gewinn  von  40%
bleibt  —  wenn  aber  hundert  Millionen,  ja  selbst  wenn
zehn  Millionen  eine  Million  abgeworfen  haben,  ist
eine  sechzigperzentige  Abgabe  zu  hoch,  weil  nur  0.4%,
*)  Ähnlich  jetzt  Antrag  Dr.  Schürff-Wedra  im  Abgeordnetenhause.
            
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