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Mit Schaffung einer einheitlichen Währung für das ganze Deutsche
Reich (1873) war die Banko-Mark überflüssig geworden, und als am
1. Januar 1876 die Deutsche Reichsbank ihre Tätigkeit begann, wurde aus
der Hamburger Bank eine Filiale der Reichsbank. Das von ihr eingeführte
Girosystem wurde von der Reichsbank übernommen und war auch vor
bildlich für den Giro-Fernverkehr. Wenn Hamburg heute ein so gutes
Zahlsystem (weit verbreiteten lokalen Giroverkehr) besitzt, so verdankt es
dies in erster Linie seiner alten Girobank.
Ebenso wie die Hamburger Bank, widmete sich auch der im Jahre 1621 er
richtete Laueo kublieo in Nürnberg dem Giro» und Depositengeschäft,
ohne jedoch jemals die Bedeutung der Amsterdamer oder Hamburger Bank er
langt zu haben.
Ein Rechnungsgeld besaß auch die am 17. Juni 1766 von Friedrich dem
Großen ins Leben gerufene „Kgl. Giro- u nd Lehnbanf" in Ber
lins und die im gleichen Jahre errichtete „G i r o- u n d L e i h b a n k" in
Breslau. Das Bankpfund — 1 U Friedrichsdor hatte 24 Groschen zu 12
Pfennig. Alle königlichen Kassen und alle in Berlin und Breslau an
sässigen Kaufleute sollten ihre Bücher in dieser Valuta führen, und alle
Wechsel im Betrage von mehr als 100 Talern mußten in Berlin oder Breslau
bei der Bank zahlbar gemacht, d. h. in dieser Bankvaluta ausgestellt werden.
Der Giroverkehr bewegte sich anfangs in sehr engen Grenzen, wo-
für der Grund wohl hauptsächlich in der Höhe der Gebühren — bei Er
öffnung eines Bankfoliums waren 60 und für jedes Folium (20 Posten)
5 Taler zu entrichten — zu suchen ist. Auch der Notenumlauf war so
gering, daß die Barmittel der Bank, auf deren Stammkapital nur knapp
1 h Millionen Taler eingezahlt waren, keine nennenswerte Erhöhung er
forderten. Größere Mittel, die es ermöglichten, Diskont- und Lom
bardgeschäfte zu betreiben, erhielt die Bank erst 1768, als ihr die
Mündel-, Gerichts- und Stiftungsgelder als verzinsliche Depositen über
wiesen werden mußten.
Bald trat der umgekehrte Fall ein: Die Bank hatte mehr Mittel, als
sie für die einzig statthafte Anlage für Depositengelder, das Diskont- und
Lombardgeschäft, das wegen des damals in Preußen wenig entwickelten
kaufmännischen Verkehrs nur von geringem Umfange war, verwenden i)
i) Schrifttum: Geschichte der Königlichen Bank in Berlin 1765—1845
(Verfasser von Niebuhr). Berlin 1854. I