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zum haftenden Eigenkapital. Die elastische Fassung des Ge
setzes ermöglicht eine schrittweise Annäherung an die erstrebte Liquidität,
die natürlich eine Minderung der Rentabilität zur Folge hat.
Die Kosten der verbesserten Liquidität müssen daher in irgendeiner Weise,
z. B. in Verminderung der Haben-Zinsen, ihren Ausgleich finden.
Nicht darauf kommt es an, ob die Bestimmungen den B a n k e n genehm
sind, sondern die Frage muß lauten: Welcher Nutzen erwächst der All
gemeinheit? Forderungen, die wir Banktheoretiker, die wir aus der
Bankpraxis stammen, seit Jahrzehnten gestellt haben, sind endlich erfüllt!
Den natürlichen Entwicklungstendenzen trägt das Gesetz voll Rechnung.
Radikale Wünsche sind aber zum Segen der Wirtschaft unerfüllt geblieben.
IV. Passiogeschäfle der Banken ')
1. Das Depositengeschäft
a) Sicherheit und Art der Depositen
Eine der Hauptaufgaben der Kreditinstitute ist Ansammlung, Aufbewah
rung und Verteilung fremder Gelder. Die Aufnahme der Gelder erfolgt
hauptsächlich in Form der Depositen: Wer Gelder zeitweise nicht benötigt,
bringt sie zur Bank (Bankier) oder zur Sparkasse.
Das moderne Depositengeschäft, wie es insbesondere unsere
großen Kreditbanken Pflegen, hat sich aus dem Depositengeschäst der alten
Girobanken entwickelt. Der wesentliche Unterschied zwischen
dem ehemaligen und dem modernen Depositengeschäft besteht aber darin,
daß früher derjenige, der bei einer Bank Geld hinterlegt hatte, dafür eine
V e r w a l t u n g s g e b ü h r zahlen mußte — und dies mit Recht, weil es
sich umeinäspoaituinroZuIarö handelte und das Geld müßig in
den Kellern der Bank lag —, während heute die Banken in der Regel
Zinsen für Depositen (Einlagen) gewähren, weil sie diese Gelder
wieder nutzbringend verwenden können. Das BGB. behandelt diese sog.
Schrifttum: Gustav Motschmann, Das Depositengeschäft der
Berliner Großbanken. München 1915. G e o r g O b st , Das Bankgeschäft, Bd. I
und II. 9. Ausl. Stuttgart 1930. Willi Prion, Die deutschen Kreditbanken
im Kriege und nachher. Stuttgart 1917. H. Hartung, Die Depositengelder
in der Bankenquete. Berlin 1910. Referate auf dem III. deutschen Bankiertag
in Hamburg (1907) von Iasfe, Damme und Müller. Die Steno
graphischen Berichte der Bankcnquete, Berlin 1910.