kontierte. ES erfolgte somit Umwandlung einer fundierten Schuld in eine
schwebende Schuld.
Als die Summen der zum Verkauf angebotenen Kriegsanleihe immer größer
wurden, wurde im Juli 1919 unter Führung der Reichsbank und Beteiligung
aller Großbanken und großen Banksirmen die Reichsanleihe-A.-G. mit einem
Kapital von 400 Millionen M errichtet. Ihr Zweck war, Reichsanleihen bis
zum lOfachen Betrag ihres Eigenkapitals aufzunehmen, also, entsprechend dem
Kurswert, etwa 5 Milliarden M. Die Mittel hierzu beschaffte sich die Gesell
schaft durch Ausgabe von Darlehnskassenscheinen, und auf
Grund dieser Darlehnskassenscheine war die Reichsbank berechtigt, den dreifachen
Betrag ihrer eigenen Noten auszugeben. Die Kriegsanleihe wurde durch diese
Manipulation in Darlehnskassenscheine, und diese wieder wurden in Banknoten
umgewandelt.
Dadurch, daß die Darlehnskassenscheine, soweit sie nicht in den freien Verkehr
übergehen, dem Barvorrat der Reichsbank zugerechnet wurden, wurde die
Lombardanlageder Darlehnskassen zur Notendeckungver
wendbar gemacht und gewissermaßen mobilisiert.
Im Februar 1924 wurde beschlossen, die Darlehnskassen tunlichst rasch abzu
bauen, und durch Bekanntmachung vom 17. März 1924 wurde ihre Liquida
tion in die Wege geleitet.
Da am Anfang des Krieges infolge des enorm anschwellenden Zahlungsmittel
bedarfs die vorhandenen Zahlungsmittel nicht ausreichten, suchte der Verkehr sich
vielfach durch Ausgabe von Notgeld zu helfen ss. S. 6b). Als im September
1914 die Reichsdruckerei mit der Lieferung der Darlehnskaflenschcine zu 2 und
1 M begann, war es möglich, den Bedarf des Verkehrs an kleinen Zahlungs
mitteln zu befriedigen und dieses Notgeld wieder aus dem Verkehr zu ziehen.
Später erschien es wieder in Scheinen zu 10, 25 und 50 Pfennigen, die von Kom
munen und privaten Unternehmungen zur Behebung des Kleingeldmangels aus
gegeben wurden.
Infolge des dauernden Marksturzes war die Reichsbank, obgleich sie neben der
Reichsdruckerei 135 Druckereien im Reich mit dem Notendruck beauftragt hatte,
zeitweise nicht in der Lage, so viel Noten in Verkehr zu geben, wie benötigt wur
den. Kommunen und Industrie wurden daher zur Ausgabe von Notgeld ermäch
tigt. Vom Herbst 1923 ab wurde, auf Grund entsprechender Beträge Gold-
anleihe, wertbeständiges Notgeld ausgegeben.
Je mehr Noten in Verkehr gegeben wurden, desto geringer wurde ihr
Gesamtwert. Mitte Januar 1923 stellte der Gesamtbetrag der im Umlauf
befindlichen Reichsbanknoten einen Wert von 509 Millionen Goldmark dar.
Mitte April 1923 — bis dahin hatte sich der Goldwert der Mark ziemlich stabil
gehalten — war diese Summe auf 1162 Millionen Goldmark gestiegen. Nun
begann die Entwertung der Mark: Bis zum 15. Oktober 1928 war der Gold
wert der umlaufenden Banknoten auf 138 Millionen Goldmark gefallen, um
dann bis zum 15. November 1923 auf 155 Millionen Goldmark zu steigen.
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