Full text: Geld-, Bank- und Börsenwesen

489 
rigem Zinssatz zur Verfügung. Das Darlehen wurde in Pfund genommen 
und mußte in Pfund zurückgezahlt werden. Da es in der Regel für 
längere Zeit gegeben wurde, spielte das Kursrisiko keine so große Rolle; 
dem Darlehnsnehmer bot sich in der langen Zeit meist Gelegenheit zur 
günstigen Eindeckung. Als Sicherheit wurde Effektendepot zugunsten des 
Darlehnsgebers bei einer deutschen Bank oder Bankfirma gestellt. 
Geldgeber für Deutschland in großen Summen war weiter Frank 
reich. Wechsel-Pensionen spielten im Verkehr zwischen deutschen 
und französischen Banken eine große Rolle. 
Eine Arbitrage (s. S. 513 ff.) im Prolongatiousgeschäft fand früher 
häufig zwischen Ö st e rr e ich und Deutschland statt. Ein beliebtes Spcku- 
lationspapier Anfang der 1890er Jahre waren in diesen beiden Ländern 
die Kredit-Aktien. An den österreichischen Börsen bestanden große 
Engagements ä la hausse in Kredit-Aktien, in Deutschland dagegen hielt 
man ihren Kurs für zu hoch und verkaufte sie in blanco sfixte sie). 
So kam es, daß Kredit-Aktien in Deutschland bei der Ultimo-Prolon 
gation meist stark gesucht waren (bie Fixer benötigten sie zur Ablieferung), 
während sie in Österreich in großen Posten zur Reportierung angeboten 
wurden. Die hierdurch bedingte Differenz in den Schiebungssätzen 
zwischen Österreich und Deutschland wurde von der Arbitrage aus 
genutzt: Der Arbitrageur kaufte Kredit-Aktien in Berlin oder Breslau 
idas damals ein großer Platz für Kredit-Aktien war) oder einer anderen 
deutschen Börse und verkaufte sie in Wien. 
Die Glatt st ellung der Valuta erfolgte in Wien, indem man 
dort Zahlung Berlin (Marknoten) per Termin kaufte. In der Schiebung 
m Wien wurden Marknoten hereingegeben — was nur wenig Kosten ver 
ursachte — und Kredit-Aktien hereingenommen, wobei, da Geld für 
Reportzwecke lebhaft begehrt wurde, der deutsche Arbitrageur eine sehr 
gute Verzinsung seines Geldes erzielte. Diese Aktien gab der Arbitrageur 
"un in Berlin oder Breslau usw. herein. Da Kredit-Aktien infolge der 
großen Baisseengagements stark gesucht waren, erhielt er das Geld 
zu sehr niedrigem Zinsfuß. Hoher Report also in Österreich, niedriger 
Report oder gar Deport in Deutschland! Das Geschäft war zeitweise so 
lohnend, daß deutsche Arbitrageure, lediglich umdieProlongations- 
difserenz zu verdienen, große Positionen aufbauten. Sie konnten es 
somit ertragen, wenn auch die Arbitrage als solche keinen Gewinn abwarf.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.