Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

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Der  Typus  aller  Abrechnungsstellen  ist  das  in  der  Mitte  des  18.  Jahrhunderts ­
  entstandene  Banken  Clearing-House  in  London.
Einer  Anekdote  nach  verdankt  das  englische  Abrechnungswesen  seine  Entstehung ­
  der  Findigkeit  und  Bequemlichkeit  einiger  englischer  Kassenboten.  Diese
fanden  es  lästig,  in  Wind  und  Wetter  umherzurennen,  um  Noten,  Wechsel  und
Schecks  einzukassieren.  Sie  sollen  sich  dann  in  einem  Lokale  beim  Glase  Bier
tagtäglich  zusammengefunden  haben,  um  die  Forderungen  ihrer  Häuser  soweit
als  möglich  auszugleichen.  Die  Chefs,  so  berichtet  die  Anekdote,  haben  die
Idee  sehr  gut  gefunden,  nur  den  Ort  der  Zusammenkunft  hielten  sie  einer  Verbesserung ­
  fähig.
Ursprünglich  beteiligten  sich  am  Londoner  Clearing-Haus  nur  Privatbankiers. ­
  Erst  1854  traten  die  großen  Aktienbanken  (Joint  Stock  Banks)  und
1864  die  Bank  von  England  bei.  Die  Zahl  der  Mitglieder  hat  sich  von  32  auf  11
vermindert.  Seit  1864  sind  neue  Mitglieder  nicht  mehr  aufgenommen  worden.
Nach  dem  englischen  Vorbilde  wurden  1883  in  Deutschland  die  Ab»
rechnungs  st  eilen  der  Deutschen  Reichsbank  ins  Leben
gerufen.  Der  Austausch  der  Schecks,  Anweisungen,  Wechsel,  Domizile  usw.
und  die  Verrechnung  zwischen  den  einzelnen  Mitgliedern  gestaltet  sich  bei
der  ältesten  deutschen  Abrechnungsstelle,  der  in  Berlin,  folgendermaßen:
Kurz  vor  9  Uhr  morgens  erscheinen  im  Abrechnungsraum,  einem
Zimmer  der  Reichsbank,  die  Vertreter  der  Reichsbank  und  der  anderen
Mitglieder  der  Abrechnungsstelle  (Teilnehmerzahl  in  Berlin  1927:  28).
Jeder  Vertreter  einer  Abrechnungsfirma  begibt  sich  an  seinen  Tisch,
ordnet,  sofern  dies  noch  nicht  erfolgt  ist,  die  ihm  von  der  Hauptkasse
oder  vom  Wechselbüro  übergebenen  Schecks,  Wechsel  usw.  nach  dem
Namen  der  zahlungspflichtigen  Häuser,  verzeichnet  die  Beträge  einzeln
auf  einem  Zettel,  die  Endsumme  auf  dem  „Empfangsbekenntnis"
und  dem  Abrechnungsbogen  *).  Die  Papiere  übergibt  er  mit  dem
addierten  Zettel  den  Vertretern  der  betreffenden  Firmen.  Jeder  Abrechnungsvertreter ­
  vergleicht  die  Beträge  der  für  seine  Firma  erhaltenen
Schecks,  Anweisungen  usw.  mit  der  Aufstellung.  Stimmen  die  einzelnen
Beträge  und  die  Addition,  dann  gibt  er  das  unterschriebene  Empfangsbekenntnis ­
  den  Einlieserern  zurück  und  trägt  die  Endsumme  auf  der
rechten  Seite  des  Abrechnungsbogens  ein.  Um  V-tlO  spätestens  ist  alles
erledigt,  die  erste  Abrechnung  beendet.  Die  Vertreter  begeben  sich  mit
i)  Ein  Abdruck  der  Formulare  befindet  sich  im  „Buch  des  Kaufmanns",
7.  Ausl.,  S.  508ff.
            
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