Object: Die Entwicklung der Weißgerberei

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Eines der primitivsten Werkzeuge des Sämischgerbers zum Ein 
arbeiten des Fettes in die Haut stellt demnach eine hölzerne Keule dar, 
welche im Laufe der Zeit verschiedene Formen angenommen haben mag. 
Ich habe dieses Werkzeug in Abbildung Nr. 1 schematisiert, weil, wie 
wir sehen werden, sich aus dieser Form die Richtung der Entwicklung 
am leichtesten verfolgen läßt. Es ist merkwürdig, daß, wie schon mehr 
mals im Laufe unserer Betrachtungen, so auch bei den folgenden Unter 
suchungen die Verhältnisse in den östlichen Gebieten Europas uns wert 
volle Fingerzeige zum Verständnis unserer eigenen mittelalterlichen Zu 
stände geben. Der Reisende Pallas Z berichtet uns aus Arsamas im 
Bezirke Nizegorod über eine primitive Art der Lohzerkleinerung. „Man 
macht alle Lohe nach der in Rußland — 
mehrerenteils gewöhnlichen mühsamen Art 
mit Stempeln, welche einige sternförmig 
stehende Schneiden an der Kolbe haben 
und von Menschen bewegt werden, in aus 
gehöhlten Bäumen klein, weil man zu 
diesem Endzweck noch keine Mühlen an 
gelegt hat." Also ein hölzerner Mörser, 
bestehend aus einem ausgehöhlten Baum- 
stamm; der Stempel ein Kolben mit Mg, i. 
Schneiden am unteren Ende. Die 
Notiz aus dem Schauplatz der Künste und Handwerke 3 ): „Es gibt 
Landschaften, wo man die Rinde in Mühlen hackt; zwei Stampfen, 
welche unten mit scharfen Eisen versehen sind ... An einigen Orten 
werden sie durch Menschenhände klein gemacht" erhält nach der 
oben gegebenen Beschreibung bereits viel mehr Leben, wir haben 
eine ganz bestimmte technische Vorstellung über diese einfachen „Hand- 
stampfen" erhalten. Freilich sind diese Stampfen für den speziellen 
Zweck der Lohzerkleinerung eingerichtet, d. h. sie sind unten mit 
scharfen Eisen versehen. Wir müssen das letztere nur als eine im Hin 
blick auf einen bestimmten Zweck angebrachte Modifikation betrachten; 
denn auch für andere Zwecke wurden diese Stampfen benützt; wir 
stnden nämlich die Stampfe auch im bäuerlichen Hausrate des Mittel 
alters erwähnt; in Burgeis wird der Holzbezug der Bauern „zu müll 
stampfen und walchstampfen" geregelt 3 ): es wurde also in solchen 
Stampfen auch gemahlen und gewalkt. 
Die nächste Form der Entwicklung der Stampfe ist ihre Einfügung 
in eine einfache maschinelle Vorrichtung, etwa, wie sie Abbildung Nr. 2 
') Pallas 1776, Bd. I, S. 33. 
2 ) Schauplatz 1766, Bd. V, S. 344. s ) Dunker 1903, S. 102.
	        
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