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Walken, Trocknen nicht im Anschluß an das Haus des Gerbers geschehen.
Die Abbildungen im Schauplatz der Künste und Wissenschaften
aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stellen uns, wie den Gerber überhaupt,
so auch den Weißgerber unter ganz anderen Verhältnissen dar:
Eine räumlich abgeschlossene Werkstatt enthält alle Produktionsmittel;
die Äscher, Weichbottiche usw. sind fast alle nach Art der Gruben in
den Boden eingelassen; die Räumlichkeiten sind bedeckt, und sogar das
Trocknen vollzieht sich im geschlossenen Gemach. Das ist etwa das
Bild auch noch der modernen Werkstatt, gleichmäßig für Rot- und
Weißgerber, während ich die Werkstatt für mittelalterliche Verhältnisse
zu rekonstruieren suchte.
Vergleichen wir also jetzt die eingangs zitierten, hauptsächlich für
Rotgerber einschlägigen Verhältnisse mit dem nunmehr gewonnenen
Bilde der Weißgerberarbeitsstätte, so ergibt sich als Unterschied der
beiden nah verwandten Gewerbe der, daß die Arbeit des Weißgerbers
viel mehr auf öffentlichem Boden sich vollzieht, als dies beim Rotgerber
der Fall zu sein scheint.
8 17. Tie Walke.
Eines der interessantesten Produktionsmittel des mittelalterlichen
Weißgerbers, welches hier und da sogar noch in unsere Zeit hereinreicht,
ist die Walkmühle; denn sie läßt sich in ihrer technischen Entwicklung
rückwärts bis zur primitiven Fellarbeit verfolgen, durch ihre
Einfügung in das mittelalterliche Territorium ergeben sich bestimmte
rechtliche Verhältnisse, und durch die Art ihrer Arbeit ergibt sich für
die Walkmühle eine besondere Stellung innerhalb des mittelalterlichen
Gewerbelebens. Nach allen diesen Richtungen hin müssen wir die Walkmühle
betrachten, was um so nötiger ist, als eine nationalökonomische
Untersuchung der mittelalterlichen Betriebsmittel nicht existiert.
Vor Untersuchung der t e ch n i s ch e n E n t w i ck l u n g der Walkmühle
sei darauf hingewiesen, daß unter Einfetten mit Tran und Klopfen der
geschmierten Felle der eigentliche Gerbeprozeß der Sämischgerberei sich
vollzieht, daß wir in diesen Operationen der primitiven Fellarbeit die
primitivste Sämischgerberei erkennen können, und endlich sei darauf aufmerksam
gemacht, daß in dem Klopfen und Stoßen der Felle mit
hölzernen Keulen auch der Grundgedanke der äußeren mechanischen Bedingungen
der Sämischgerberei, nämlich des Einarbeitens des Fettes in
die Haut, gegeben worden ist; wir wollen nun im folgenden sehen,
wie dieser Grundgedanke durch den Wechsel vieler Jahrhunderte hindurch
sich vollkommen unverändert erhalten hat.