Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

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In  einem  Kurszettel  aus  dem  Jahre  1805  finden  wir  8  „Wechsel-",
6  „Geld-"  und  11  „Fondskurse"  notiert.  Unter  den  Fondskursen  befanden  sich
die  Aktien  der  von  Friedrich  dem  Großen  errichteten  Tabaks-Regie-Gesellschaft,
der  Seehandlung  und  der  Emdener  Herings-Kompagnie,  ferner  Pommersche,
Kur-  und  Neumärkische,  Westpreußische  und  Ostpreußische  Pfandbriefe.

Größere  Bedeutung  erlangten  die  deutschen  Börsen,  insbesondere  die
Börsen  von  Berlin  und  F  r  a  n  k  f  u  r  t  a.  M.,  erst  in  den  ersten  Jahrzehnten ­
  des  19.  Jahrhunderts,  als  zahlreiche  Emissionen  von  Staatsanleihen ­
  stattfanden.  Bis  etwa  1866  standen  die  Börsen  von  Berlin
und  Frankfurt  a.  M.  gleichberechtigt  nebeneinander.  Als  Berlin  dann
Hauptstadt  des  maßgebenden  deutschen  Bundesstaates  und  1870  Reichshauptstadt ­
  wurde,  das  Bankwesen  dort  einen  gewaltigen  Aufschwung
nahm  und  der  alte  Satz  sich  bewahrheitete,  daß  alles  wirtschaftliche  Leben
sich  nach  dem  politischen  Zentrum  hinbewege,  erlangte  die  Berliner  Börse
mehr  und  mehr  eine  überragende  Stellung.  Frankfurt,  Hamburg  und
alle  anderen  Provinzbörscn  klagten  über  die  wachsende  Übermacht  der
Berliner  Börse.  Mit  am  meisten  litt  vielleicht  die  Breslauer
Börse.  Ihre  Mitgliederzahl  war  von  678  (1875)  auf  186  (1904)
zurückgegangen.  Der  Umsatz  des  Breslauer  Effekten-Saldierungsvereins,
  der  1881  noch  350  Millionen  M  betragen  hatte,  war  1903  auf
7  Millionen  M  zusammengeschrumpft.
An  der  Berliner  Fondsbörse  wurden  im  Jahre  1850  nur  63  Effekten
notiert,  1870  war  ihre  Zahl  auf  309  und  1900  auf  1872  angewachsen.
Allerorten  wurden  Eisenbahnen  gebaut,  wozu  große  Kapitalien  erfordcrlich
  waren.  Da  eine  einzelne  Person  das  Kapital  unmöglich  aufbringen ­
  konnte,  entstanden  Kapitalassoziationen.  Zahlreiche
Aktiengesellschaften  wurden  in  rascher  Reihenfolge  begründet,
und  ihre  Anteilscheine,  Aktien,  bildeten  einen  beliebten  Gegenstand  des
Handels  und  der  Spekulation.  Durch  die  Eisenbahnen  wieder  wurden
neue  Gebiete  erschlossen,  neue  Industrien  ins  Leben  gerufen,  die  von
den  Banken  durch  Kreditgewährung  unterstützt  wurden.  Dies  hatte  eine
Vermehrung  der  Banken  und  eine  Vergrößerung  des  Kapitals  der  bestehenden ­
  Bankinstitute  zur  Folge.
Durch  Verstärkung  der  Militärmacht,  Bau  von  öffentlichen  Gebäuden, ­
  durch  Anlegung  von  Land-  und  Wasserstraßen  benötigten  die
Staaten  jahraus  jahrein  neue  Mittel.  Die  Zahl  der  Staatsanleihen
            
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