Object : Geld-, Bank- und Börsenwesen

Bildung  von  Gewinnen  verwendet.  Gewinn-  und  Nennbetrag  zusammen  wird
Prämie  genannt,  daher  der  Name:  Los-,  Lotterie-  oder  Prämienanleihen.
Diese  Anleihen  konnten  nieist  unter  günstigeren  Bedingungen,  d.  h.  z»
höherem  Kurse  bzw.  zu  niedrigerem  Zinsfuß  begeben  werden,  als  die
etwa  gleichzeitig  ausgegebenen  anderen  Staatsanleihen,  da  die  Möglichkeit, ­
  einen  hohen  Gewinn  zu  erzielen,  bei  dem  allgemeinen  Hang  zum
Glücksspiel  einen  unwiderstehlichen  Reiz  auf  die  Käufer  ausübte.  Sehen
doch  die  meisten  Menschen  auf  einem  Lotterieplan  nur  die  hohen  Gewinne
und  nicht  die  überwiegende  Mehrzahl  der  Nieten.
Adam  Smith  schrieb  über  das  Lotteriespicl  in  „Natur  und  Ursachen
des  Volkswohlstandes":  „Um  mehr  Aussicht  auf  Gewinn  zu  haben,  kauft  mancher ­
  mehrere  ganze  Lose  oder  kleine  Anteile  einer  noch  größeren  Anzahl,  und
doch  gibt  es  keinen  Satz  in  der  Mathematik,  der  sicherer  wäre  als  dieser,  daß
man  desto  mehr  verliert,  je  mehr  Lose  man  hat.  Spielt  man  alle,  so  ist  der
Verlust  gewiß,  und  je  mehr  Lose  man  spielt,  desto  näher  kommt  man  dieser  Gewißheit." ­

Die  Losanleihe  ist  entweder  in  eine  bestimmte  Anzahl  fortlaufend
numerierter  Stücke  oder  in  Serien  geteilt,  deren  jede  10,  20,  25  oder
100  Lose  enthält.  In  diesem  Falle  findet  zuerst  eine  Serienziehung
statt,  der  einige  Wochen  später  die  G  e  w  i  n  n  z  i  e  h  u  n  g  folgt.  Alt  dieser
nehmen  nur  diejenigen  Lose  teil,  deren  Serien  vorher  gezogen  worden
sind.  Jedes  Los  muß  mindestens  mit  seinem  Nominalbeträge
snicht  zu  verwechseln  mit  seinem  Kurswert)  herauskommen.
Lose  und  Prämienanleihen,  deren  Seriennummern  gezogen  worden  sind
(Serien  lose),  gelangen  bis  zu  der  Ziehung,  die  über  den  ihnen  zufallenden
  Gewinn  entscheidet,  mehrfach  in  den  Handel.
Der  Kurs  der  Losanleihen  ist  fast  stetig  gestiegen;  einmal  deshalb,  weil  der
kleinste  Treffer  —  Niete  genannt  —  bei  den  meisten  Losanleihen  von  Jahr
zu  Jahr  größer  wird,  dann  aber,  weil  die  Zahl  der  noch  vorhandenen  Prämienanleihen ­
  stetig  abnimmt.  Das  Reichsgesctz  vom  8.  Juni  1871,  betreffend  die
„Jnhaberpapiere  mit  Prämien",  bestimmt  nämlich,  daß  neue  Lotterieanleihen
nur  auf  Grund  eines  Reichsgesetzes  und  nur  zum  Zwecke  einer  Anleihe  des
Deutschen  Reiches  oder  eines  Bundesstaates  ausgegeben,  ferner  daß  von  a  u  sländischen
  Losen  nur  diejenigen  Stücke  gehandelt  werden  dürfen,  die  vor
dem  1.  Mai  1871  emittiert  und  bis  zum  1b.  Juli  1871  mit  dem  deutschen
Reichsstempel  versehen  sind.  —  Die  letzte  deutsche  Los  anleihe  (Augsburger
  Lose)  verschwindet  1934,  die  letzte  auswärtige  Losanleihe  (Türkenlose)
  planmäßig  1974.

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