Full text: Geld-, Bank- und Börsenwesen

Bei einer Halbmonatsprolongation lautet also die Formel: 
Reportcents — Kurs >< Zinsfuß 
Ist Iveder Report noch Deport zu zahlen, d. h. erfolgt Hereingabe und 
Hereinnahme der Effekten an den beiden Terminen zum gleichen Kurs, 
so sagt man, das Engagement ist „glatt g e s ch o b e n", „glatt pro 
longiert" worden. 
Ans dem Report- bzw. Deportsatz kann man, umgekehrt, in einfacher 
Weise den ihm zugrunde liegenden Geldsatz (Zinsfuß) ermitteln: 
In dem obigen Beispiel war der Liquidationskurs der betreffenden Aktien 
für Ende Dezember mit 80 %, der Deportsatz mit 0.15 % angenommen worden: 
24 x 0.15 3.60%. 
Die Stückzinsen für 1 Jahr betragen . . . 6.00 %. 
Sie ergeben also einen Überschuß von . . 2.40%. 
Der Kurs der Aktien ist 80 %, davon Vioo — 0.80 %, daher 2.40 o/o: 0.80 
— 3 % Geldzinssatz (lute oben). 
Zur Erleichterung der Berechnung des Reports und Deports werden 
Reporttabellen verwendet, die die Zinsen von Medio zu Ultimo, 
bzw. von Ultimo zu Medio für eine Reihe von Zinssätzen für Reportgeld 
auf die einzelnen Effekten angeben. — 
In der Vorkriegszeit stellte der Londoner Markt deutschen Banken 
und Bankfirmen Ultimogeld (zu Prolongationszwecken) zu relativ nied- 
xigcnt Zinssatz zur Verfügung. Das Darlehen wurde in Pfund genommen 
und mußte in Pfund zurückgezahlt werden. Da es in der Regel für 
längere Zeit gegeben wurde, spielte das Kursrisiko keine so große Rolle; 
dem Darlehnsnehmer bot sich in der langen Zeit meist Gelegenheit zur 
günstigen Eindeckung. Als Sicherheit wurde Effektendepot zugunsten des 
Darlehnsgebers bei einer deutschen Bank oder Bankfirma gestellt. 
Geldgeber für Deutschland in großen Summen war weiter Frank 
reich. Wechsel-Pensionen spielten im Verkehr zwischen deutschen 
und französischen Banken eine große Rolle. 
Eine A r b i t r a g e (s. S. 484 ff.) im Prolongationsgeschäft fand früher 
häufig zwischen O st e r r e i ch und Deutschland statt. Ein beliebtes Speku- 
lationspapier Anfang der 1890er Jahre waren in diesen beiden Ländern 
die Kredit-Aktien. An den österreichischen Börsen bestanden große 
Engagements ü In hausse in Kredit-Aktien, in Deutschland dagegen hielt 
man ihren Kurs für zu hoch und verkaufte sie in blanco (fixte sie).
	        
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