Luxus und Sparen
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wit Feuer und Schwert diejenigen auszurotten streben, welche nicht
pflichtgemäß mit dem ihnen anvertrauten Pfunde wuchern? Vder
fall man gar jede Bevorzugung durch Geburt und Glücksfälle aus
der wirtschaftlichen Welt verbannen? Es kommt mir vor, als wenn
ein großer Teil derjenigen, welche das für die Aufgabe einer gründ
lich reformierten Sozialpolitik halten, sich hier mehr vom Gefühl
der Mißgunst als von objektiven Erwägungen leiten lassen. Läßt
der Himmel seine Sonne scheinen und seinen Regen fallen auf Ge
rechte und Ungerechte, da sollte sich der Mensch nicht vermessen, in
wirtschaftlichen Dingen eine absolut vollkommen verteilende Gerech
tigkeit durchführen zu wollen, zumal wenn das neue Gebäude der
absolut gerechten Wirtschaftsordnung auf dem sandigen Boden des
Neides und ähnlicher Gefühle von Menschen errichtet werden soll,
die selber weit davon entfernt sind, den Anforderungen der Ge
rechtigkeit zu entsprechen."
Das Gesamtergebnis unserer Betrachtungen ist also das: Die Exi
stenz eines umfangreichen arbeitslosen Einkommens in der bestehen
den Wirtschaftsordnung ist noch nicht ohne weiteres ein Grund, um
über sie unter moralischen und sozialen Gesichtspunkten den Stab
Zu brechen. Auch das arbeitslose Einkommen hat im gegenwärtigen
Dirtschastsleben eine wichtige Funktion zu erfüllen. Es hat neben
den Ersparnissen, die vom Arbeitseinkommen selbst gemacht werden,
ZUr Hauptsache die Mittel für den wirtschaftlichen Fortschritt aus
zubringen. Daß das arbeitslose Einkommen heute auch wirklich seiner
Hauptmasse nach für diesen Zweck verwendet wird, das ist jetzt frei
lich nicht durch irgendwelche gesetzliche Einrichtungen sichergestellt
und läßt sich auf dem Wege gesetzlicher Vorschriften — etwa durch
Controlle der Einkommensverwendung bei Gelegenheit der Steuer
deklarationen — auch wohl kaum sicherstellen. Ls setzt vielmehr ein
bestimmtes freiwilliges wirtschaftlich-moralisches Verhalten der
Klassen voraus, decken das arbeitslose Einkommen zufließt. Ls gilt
darum immer aufs neue in diesen Blassen das Gewissen zu schärfen,
daß sie in ihrer Lebenshaltung einfach bleiben, jedem unnötigen