Full text: Kapitalismus und Sozialismus

Zukunstsstaatsphantasie 
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auf dieses Ergebnis entrüstet fragt: „wie ist es möglich, daß die 
Mehrzahl trotz harter Arbeit dem Llend preisgegeben bleibt, wenn 
schaft. Unter völliger Verkennung der Verhältnisse glaubte Hertzka für die 
österreichische Landwirtschaft folgende Rechnung aufstellen zu können. Tr will 
ermitteln, wieviel Arbeitskräfte unter österreichischen Verhältnissen zur 
Beschaffung der wichtigsten Nahrungsmittel bei rationellster Technik er 
forderlich sind. Dabei geht er von der Voraussetzung aus, „daß der in 
Österreich tatsächlich in Uultur genommene Soden zur Beschaffung der 
sämtlichen Brotstoffe, des Fleischbedarfs sowie der Rohstoffe für die In 
dustrie genügt. Die hierzu erforderliche menschliche Arbeitskraft dagegen 
wurde nicht nach den tatsächlichen Verhältnissen, sondern unter der An 
nahme eines mit allen Hilfsmitteln moderner Technik ausgestatteten Groß 
betriebs berechnet, wie er stellenweise auf den großen Farmen des ameri 
kanischen Westens im Schwung ist. Dort rechnet man, wenn vampfpflüge, 
Erntemaschinen und Dampfdreschmaschinen in Verwendung sind, fünf Ar 
beitstage auf den Hektar, was für die 10,6 Millionen Hektar österreichi 
schen Ackerbodens und mutatis wntsnäis auf die drei Millionen österrei 
chischen Wiesengrundes 220 000 Jahresarbeiter ergibt". — Diese Rech. 
Nung schwebt aber völlig in der Luft. Ts wird bei ihr gänzlich die entschei 
dende Tatsache übersehen, daß die amerikanische Landwirtschaft die viel 
größere Arbeitsproduktivität, die sie allerdings auszeichnet, nur mit Hilfe 
des extensiven, sich mit geringen Trnten von der Fläche begnügenden Cha 
rakters, der ihr eigentümlich ist, erreichen kann. Der extensive Charakter 
der amerikanischen Landwirtschaft — die Weizenernten vom Hektar sind 
in der Union regelmäßig nur halb so groß wie im Deutschen Reich — 
ist aber wieder nur möglich durch das günstige Verhältnis, das dort noch 
Zwischen Bodenfläche und Menschenzahl besteht, wollte man in der öfter, 
reichischen Landwirtschaft eine ähnlich hohe Arbeitsproduktivität wie in 
Amerika erzielen, so müßte man ihr mindestens die drei- bis vierfache Fläche 
der jetzt von ihr bestellten zur Verfügung stellen können. Das Bodener 
tragsgesetz, die Tatsache, daß mit steigender Intensität der Bebauung die 
Arbeitsproduktivität in der Landwirtschaft sinkt, zeigt eben hier seine ver 
hängnisvolle Wirkung, (vgl. meinen Aufsatz über das Gesetz des abneh 
menden Bodenertrags in der „Zeitschrift für Sozialwissenschaft", Iahrg. 
1916, S. 283 ff.) — In ähnlichen phantastischen Berechnungen, wie sie bei 
Hertzka zu finden sind, ergeht sich auch Ballod in seinem Luche „Der 
^ukunftsstaat. Produktion und Ronsum im Sozialstaat". 2. Aufl. 1919. 
Bach ihm läßt sich die ständige, fortlaufende Arbeit mit einer rund sechsjäh.
	        
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