Full text: Kapitalismus und Sozialismus

Landwirtschaft und Sozialismus 
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der heutigen Wirtschaftsordnung zu halten. Das Sparen, das unter 
allen Umständen und in jeder möglichen Rechtsordnung des Wirt 
schaftslebens die Voraussetzung für die Produktion neuen Realkapi 
tals bildet, kann in einem sozialistischen Gemeinwesen denkbarer 
weise in zwei Formen vor sich gehen, entweder wie heute als freiwilliges 
Sparen einzelner Privatpersonen, oder aber so, daß der Staat selbst 
es besorgt, indem er die Preiszuschläge zu den Selbstkosten, die er bei 
der Festsetzung der preise für die in seinen Betrieben hergestellten 
Produkte erhebt, ansammelt und unmittelbar für die Vermehrung 
des Realkapitals bestimmt. In beiden Fällen wird es außerordent 
lich schwer sein, zu erreichen, daß jährlich ein ebenso großer Teil 
des Volkseinkommens gespart wird wie das heute geschieht. Im ersten 
Falle steht dem vor allem die größere Gleichheit der Einkommens 
verhältnisse, welche die sozialistische Gesellschaft herstellen will, ent 
gegen. Ls kann doch keinem Zweifel unterliegen, daß eine stark diffe 
renzierte Einkommensverteilung, mag man sonst über sie denken wie 
man will, das Sparen stark erleichtert. Für einen Mann, der 
150000 Mark Einkommen bezieht, ist es doch viel leichter, jährlich 
50000 Mark zurückzulegen, als es für 50 Arbeiter, von denen jeder 
3000 Mark Einkommen bezieht, ist, auch nur 25 000 Mark zusammen 
zusparen. 
wird aber das Sparen von der Regierung selbst mit besorgt, so 
läuft es ja seinem Wesen nach auf nichts anderes als auf eine Form 
der indirekten Besteuerung hinaus, und es wird über diese Form der 
Besteuerung im Sozialstaate ebenso heftige Rümpfe geben, wie sie 
überhaupt über jede Besteuerung sich entspinnen. Dem Sparen wird 
das keinesfalls günstig sein. Die Regierung wird es aus naheliegen 
den Gründen in möglichst engen Grenzen zu halten suchen. 
Dazu kommt aber weiter noch die ernste Frage, ob im Sozialstaate, 
selbst wenn seine Sparwilligkeit sehr hoch entwickelt sein sollte, auch 
die Sparfähigkeit ebenso groß ist wie heute. Die Sparfähigkeit 
einer Volkswirtschaft, die Summe der möglichen Ersparnisse, hängt 
ja in erster Linie ab von dem Stande der Produktivität der Arbeit,
	        
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