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1,1. Die individualistische Wirtschaftsordnung
kungen, welche die Wirtschaftspolitik der Jakobinerregierung in
Frankreich nach der klassischen Schilderung von Eaine gehabt hat! —,
so droht regelmäßig eine für alle Klassen der Bevölkerung gleich
verhängnisvolle Lähmung den ganzen Wirtschaftskörper zu befallen.
Der Erkenntnis von der gewaltigen sozialen Bedeutung des Privat
eigentums in diesem Sinne haben sich auch einsichtige Sozialisten
nicht verschließen können. So schreibt einmal Eduard Bernstein:
„Wenn die Revolutionen von 1648, 1789, 1848 Eile nahmen, die Sicher
heit des Eigentums zu proklamieren, so war das nicht lediglich Folge bürger
licher Beschränktheit oder eines hochgradigen Cigentumskultus. Sie alle waren
ja mit mehr oder weniger weitreichenden Eingriffen in das überlieferte
Eigentum verbunden. Es sprach aus diesen Proklamationen, Rlenschenrechts-
«rklärungen, verfaffungsbestimmungen zugleich die Erkenntnis, daß auf dem
gegebenen Stand der Wirtschaftsentwicklung Sicherheit des anerkannten Eigen
tums unerläßliche Bedingung eines gedeihlichen Fortgangs der Wirtschaft war
Wie sehr entwicklungsseindlich Unsicherheit des Eigentums wirkt, zeigt die
Geschichte der orientalischen Völkerschaften. Ruch waren in den europäischen
Revolutionen die Epochen, wo nicht bloß bestimmtes Eigentum, sondern das
Eigentum schlechtweg generell gefährdet war oder erschien, Epochen geschäft
licher Stagnation und damit verbundener Notstände, die das Eintreten der
Reaktion beschleunigten."
Länger anhaltende Rechtsunsicherheit droht vor allem denjenigen
Streik über die Volkswirtschaft heraufzubeschwören, den Bismarck
einmal als den gefährlichsten aller Streiks bezeichnet hat, den Streik
der Unternehmer. Darunter ist nicht zu verstehen, daß die Unter
nehmer ihre Betriebe stillegen, sondern es bedeutet nur: die Neigung
der Unternehmer, neue Betriebe zu gründen und bestehende zu er
weitern, hört auf. Vas muß aber in kürzester Frist für das ganze
Wirtschaftsleben verhängnisvoll werden. Ulan darf ja nie vergessen:
die Volkswirtschaft ist etwas, was fortwährend wachsen muß. Ge
nau so wie die Bevölkerung beständig zunimmt, muß beständig auch
am Gebäude der Volkswirtschaft ein Flügel nach dem anderen an
gebaut, und müssen neue Stockwerke auf die schon vorhandenen auf
gesetzt werden. Tritt einmal in diesem Prozeß der beständigen Rus-
dehnung der Produktion eine Stockung ein, so stellen sich sofort