Full text : Kapitalismus und Sozialismus

Öffentlicher  Betrieb  und  INonopolwesen

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vor  dem  Aufkommen  neuer  Konkurrenz  genießt.  Zwischen  völlig
freier  Konkurrenz  und  wirklichem  Monopol  gibt  es  eben  im  Wirtschaftsleben ­
  noch  eine  Reihe  von  Zwischenstufen,  und  das  Gebiet
dieser  Zwischenstufen  ist  es,  auf  welches  die  öffentliche  Unternehmung ­
  in  neuerer  Zeit  ihre  Herrschaft  ausgedehnt  hat.  Vas  ist  aber
kein  Zufall,  sondern  das  hat  seinen  tiefen  Sinn.  Und  diese  Tatsache
ist  nicht  ein  Zeichen  der  Stärke,  sondern  ein  Zeichen  der  Schwäche  des
öffentlichen  Betriebs.  In  ihr  kommt  zum  Ausdruck,  daß  die  öffentliche ­
  Unternehmung  sich  eben  nur  auf  solchen  Gebieten  zu  behaupten ­
  vermag,  wo  nicht  der  scharfe  Wind  völlig  freien  Wettbewerbs ­
  weht,  sondern  wo  es  sich  um  konkurrenzgeschützte  Plätze
handelt.  Vas  ist  das  eine.  Vas  andere  Moment  aber,  das  bei  der
neuerlichen  Ausbreitung  des  öffentlichen  Betriebs  eine  Rolle  gespielt ­
  hat,  ist  das,  daß  da,  wo  einzelne  Betriebe  oder  Gewerbezweige
in  eine  solche  bevorzugte,  monopolartige  Stellung  gelangen,  dann
sehr  starke  Gründe  dafür  sprechen,  dem  öffentlichen  Betrieb  den  Vorzug ­
  vor  dem  privaten  zu  geben.  Venn  hier  besteht  dann  immer  die
Gefahr,  daß  die  privaten  Unternehmer  ihre  begünstigte  Stellung
zur  Erzielung  abnorm  hoher  Gewinne  ausnutzen.  Zum  mindesten  ist
die  öffentliche  Meinung  regelmäßig  von  einem  starken  Mißtrauen
nach  dieser  Richtung  —  und  sicher  nicht  ohne  Grund  —  erfüllt.
Sie  läßt  sich  von  der  Erwägung  eines  amerikanischen  Gerichtshofes
leiten,  der  in  einem  Prozeß  gegen  den  Standard-Dil-Trust  sich  einmal
dahin  aussprach,  es  sei  nicht  angebracht,  der  menschlichen  Natur  da
zu  trauen,  wo  ihr  Gelegenheit  gegeben  sei,  sich  auf  Kosten  anderer  zu
bereichern,  wo  sich  im  Wirtschaftsleben  durch  die  Natur  der  Verhältnisse ­
  selbst  monopolähnliche  Stellungen  herausbilden,  da  entscheidet
  sich  darum  die  öffentliche  Meinung  gewöhnlich  mit  großer
Wucht  und  Bestimmtheit  dafür,  daß  diese  Betriebe  in  der  Hand  des
Staates  oder  der  Gemeinde  am  besten  aufgehoben  seien.
Vas  find  die  wahren  Gründe  für  das  in  den  letzten  Jahrzehnten
festzustellende  Vordringen  des  öffentlichen  Betriebs.  Vagegen  ist  es
eine  falsche  Deutung  der  Tatsachen,  wenn  man  daraus  den  Schluß
Pohle,  Kapitalismus  und  Sozialismus,  2.  klufl.  H
            
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