Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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II,  3,  B.  Die  Leistungsfähigkeit  des  Sozialismus

ableitet,  die  „Beamtenverwaltung"  habe  den  Beweis  erbracht,  daß
sie  es  in  bezug  auf  Wirtschaftlichkeit  der  Betriebsführung  jetzt  schon
vollkommen  mit  der  privaten  Unternehmung  aufnehmen  könne.  5o
wird  ja  in  der  Literatur  die  Erscheinung  nicht  selten  zu  erklären
gesucht.  Vas  Vordringen  des  öffentlichen  Betriebs  wird  als  ein
Parallelfall  zu  dem  Vordringen  der  Aktienunternehmung  aufgefaßt. ­
  Gemeinbetrieb  und  Aktienunternehmung  bedienten  sich  beide
gleichmäßig  der  Beamtenverwaltung.  Der  Siegeszug,  den  die  Aktiengesellschaft ­
  durch  das  moderne  Wirtschaftsleben  gehalten  habe,
sei  gleichbedeutend  damit,  daß  die  Beamtenverwaltung  sich  bewährt
habe,  wenn  aber  die  Beamtenverwaltung  in  Gestalt  der  Aktiengesellschaft ­
  mit  gutem  wirtschaftlichen  Erfolge  anwendbar  sei,  dann
gelte  das  gleiche  eben  auch  von  der  Beamtenverwaltung  in  der
Form  des  öffentlichen  Betriebs.
Diesem  Gedankengang  kann  man  heute  nicht  selten  in  der  nationalökonomischen ­
  Literatur  begegnen.  Kathgen  z.  B.  bringt  ihn
in  folgenden  Worten  zum  Ausdruck^):  „wo  der  Beamtenbetrieb
überhaupt  erprobt  und  bewährt  ist,  wird  häufig  die  öffentliche  Unternehmung ­
  billiger  und  besser  wirtschaften  als  die  Aktiengesellschaft,
und  tatsächlich  sehen  wir  Staat  und  kommunale  Körperschaften
solche  Beamtenbetriebe  übernehmen:  Eisenbahnen,  Versicherung,
Bankbetrieb,  Gas-  und  wafseranstalten,  Elektrizitätswerke,  Straßenbahnen. ­
  Die  Aktiengesellschaft  erscheint  von  diesem  Gesichtspunkt
aus  als  das  Versuchsfeld  des  öffentlichen  Betriebs."
Diese  ganze  weitverbreitete  Theorie  stimmt  indessen  nicht.  Sie
steht  zunächst  schon  insofern  in  Widerspruch  mit  den  Tatsachen,  als
der  öffentliche  Betrieb,  obwohl  man  es  doch  wahrlich  nicht  an  Agi-37)
  Wörterbuch  der  Volkswirtschaft,  3.  Aust.,  Artikel  „Aktiengesellschaft",
1.  Bd-,  8.  72.  Ganz  übereinstimmend  hiermit  schreibt  <£.  von  Trftzka:
„Man  wird  aus  dem  wirtschaftlichen  Aussteigen  der  Großunternehmen  in  der
Form  der  Aktiengesellschaft  mit  Recht  folgern  können,  daß  die  Überführung
in  die  Staatswirtschaft  hier  nicht  nur  möglich  ist,  sondern  sogar
Vorteile  verspricht."  Die  Sozialisierung  des  Wirtschaftslebens.  Jena
1319,  S.  41.
            
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