Die Freiheit des Konsums
13
den Druck der Preisbildung, durch das Ruf und Nb der
preise. Auch in einer freiheitlichen Wirtschaftsordnung muß ja
irgendwie dafür gesorgt sein, daß die Nachfrage in Übereinstim
mung mit den auf allen Gebieten nur knapp vorhandenen Waren
vorräten gehalten wird. Das geschieht aber eben heute normaler
weise nur durch die Bewegung der Preise, nur durch den Druck,
den das höhergehen der Preise auf die Nachfrage ausübt. Die Konsu
menten werden dadurch gezwungen, ihre Nachfrage einzuschränken
oder unter Umständen sogar ganz einzustellen. Der Staat dagegen ver
zichtet seinerseits darauf, wenigstens in gewöhnlichen Zeiten, die Nach
frage durch direkte Vorschriften zu beschränken und dadurch dem knap
pen Nngebot anzupassen. Line solche Rationierung des Konsums, wie
wir sie während des Krieges auf zahlreichen Gebieten in Gestalt
von Brot-, Zucker-, Kartoffel-, Fleisch-, Butter-, Seifen- und anderen
Karten, in Form von Kleider- und Wäschebezugsscheinen usw. ein
zuführen genötigt waren, empfinden wir als etwas, was eigentlich
dem Wesen der individualistischen Wirtschaftsordnung fremd ist, was
nicht in ihren normalen Zustand hineingehört, und von der Bevölke
rung daher auch nur widerwillig ertragen wird. Eben deshalb wur
den ja diese Einrichtungen als „Kriegssozialismus" bezeichnet. Für
gewöhnlich wird eben in der individualistischen Wirtschaftsordnung
die Nachfrage lediglich durch den Druck der Preisbildung reguliert.
Das ist es, was wir unter Freiheit des Konsums in der gegenwär
tigen Wirtschaftsordnung hauptsächlich zu verstehen haben: her-
stellung der notwendigen Übereinstimmung zwischen den immer nur
knapp vorhandenen Vorräten und der an sich stets unbegrenzten
Nachfrage nicht durch direkte staatliche Rationierungsmaßnahmen,
sondern lediglich durch den Druck der Preisbildung.
Nlit der Freiheit des Konsums korrespondiert in der individua
listischen Wirtschaftsordnung regelmäßig zweitens Freiheit der
Produktion und der Nrbeit. Dieses zweite wirtschaftliche
Grundrecht des Individuums in der heutigen Wirtschaftsordnung
bedeutet: Jeder kann selbst frei, vom Staate unbeeinflußt, entschei-
Pohle, Kapitalismus und Sozialismus. 2. Uufl. 2