Full text : Kapitalismus und Sozialismus

Die  Freiheit  des  Konsums

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den  Druck  der  Preisbildung,  durch  das  Ruf  und  Nb  der
preise.  Auch  in  einer  freiheitlichen  Wirtschaftsordnung  muß  ja
irgendwie  dafür  gesorgt  sein,  daß  die  Nachfrage  in  Übereinstimmung ­
  mit  den  auf  allen  Gebieten  nur  knapp  vorhandenen  Warenvorräten ­
  gehalten  wird.  Das  geschieht  aber  eben  heute  normalerweise ­
  nur  durch  die  Bewegung  der  Preise,  nur  durch  den  Druck,
den  das  höhergehen  der  Preise  auf  die  Nachfrage  ausübt.  Die  Konsumenten ­
  werden  dadurch  gezwungen,  ihre  Nachfrage  einzuschränken
oder  unter  Umständen  sogar  ganz  einzustellen.  Der  Staat  dagegen  verzichtet ­
  seinerseits  darauf,  wenigstens  in  gewöhnlichen  Zeiten,  die  Nachfrage ­
  durch  direkte  Vorschriften  zu  beschränken  und  dadurch  dem  knappen ­
  Nngebot  anzupassen.  Line  solche  Rationierung  des  Konsums,  wie
wir  sie  während  des  Krieges  auf  zahlreichen  Gebieten  in  Gestalt
von  Brot-,  Zucker-,  Kartoffel-,  Fleisch-,  Butter-,  Seifen-  und  anderen
Karten,  in  Form  von  Kleider-  und  Wäschebezugsscheinen  usw.  einzuführen ­
  genötigt  waren,  empfinden  wir  als  etwas,  was  eigentlich
dem  Wesen  der  individualistischen  Wirtschaftsordnung  fremd  ist,  was
nicht  in  ihren  normalen  Zustand  hineingehört,  und  von  der  Bevölkerung ­
  daher  auch  nur  widerwillig  ertragen  wird.  Eben  deshalb  wurden ­
  ja  diese  Einrichtungen  als  „Kriegssozialismus"  bezeichnet.  Für
gewöhnlich  wird  eben  in  der  individualistischen  Wirtschaftsordnung
die  Nachfrage  lediglich  durch  den  Druck  der  Preisbildung  reguliert.
Das  ist  es,  was  wir  unter  Freiheit  des  Konsums  in  der  gegenwärtigen ­
  Wirtschaftsordnung  hauptsächlich  zu  verstehen  haben:  herstellung
  der  notwendigen  Übereinstimmung  zwischen  den  immer  nur
knapp  vorhandenen  Vorräten  und  der  an  sich  stets  unbegrenzten
Nachfrage  nicht  durch  direkte  staatliche  Rationierungsmaßnahmen,
sondern  lediglich  durch  den  Druck  der  Preisbildung.
Nlit  der  Freiheit  des  Konsums  korrespondiert  in  der  individualistischen ­
  Wirtschaftsordnung  regelmäßig  zweitens  Freiheit  der
Produktion  und  der  Nrbeit.  Dieses  zweite  wirtschaftliche
Grundrecht  des  Individuums  in  der  heutigen  Wirtschaftsordnung
bedeutet:  Jeder  kann  selbst  frei,  vom  Staate  unbeeinflußt,  entschei-Pohle,
  Kapitalismus  und  Sozialismus.  2.  Uufl.  2
            
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