Das kollektivistische Gesellschaftsideal
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Das Gesellschaftsideal des wissenschaftlichen Sozialismus, das wir
fl Is „Kollektivismus" bezeichnen wollen, unterscheidet sich in
wichtigen Punkten von dem des Kommunismus, während im Mittel
punkt des kommunistischen Gedankenkreises der Gedanke des Rechts
«uf Existenz und Einkommen steht, steht im Mittelpunkt des kollek
tivistischen Programms die Forderung der Beseitigung des
Arbeitslosen Einkommens. Zu diesem Zweck fordert der Kollek
tivismus ebenso wie der Kommunismus eine Eigentumsordnung, in
^r dem Staat das Eigentum an den gesamten Produktionsmitteln zu
steht. Daß der Staat auch die Leitung der Produktion auf allen Gebieten
selbst in die Hand nimmt, ist bei diesem Zustand aber nicht unbedingt
vötig. Da, wo der Großbetrieb herrscht und sich als die überlegene Be
triebsform erweist, hält das allerdings auch der Kollektivismus für
votig. Nicht dagegen ist es nötig auf den Gebieten, wo der Kleinbetrieb
Taft ebenso gut und billig zu produzieren vermag wie der Großbetrieb,
also insbesondere in der Landwirtschaft. Für die Landwirtschaft
^gnügen sich daher manche Kollektivisten — ganz einig sind
Kollektivisten in diesem wichtigen Punkte allerdings nicht — mit
üern Programm der Bodenreformbewegung. Der Betrieb der Land
wirtschaft selbst soll individualistisch bleiben, nur soll die Grund
rente nicht mehr einzelnen Privatpersonen zufließen, sondern der
Gesamtheit. Die Landwirte sollen mit anderen Worten nicht mehr
als Eigentümer auf ihrer Scholle sitzen, sondern als Pächter, wäh
lend der Staat Eigentümer des gesamten Grund und Lodens wird,
öel der städtischen Wohnungsproduktion wird sich dieses System aller
dings kaum in Anwendung bringen lassen. Da wird, wenn man die
Gemeinde zur Eigentümerin des gesamten Grund und Lodens macht,
Nichts anderes übrigbleiben, als ihr auch den Wohnungsbau und
^le ganze Wohnungsvermietung zu übertragen, wenn wirklich mit
l>er Beseitigung des privaten Bezugs von arbeitslosem Einkommen
Ernst gemacht werden soll.
Don dem Kommunismus weicht der Kollektivismus vor allem
dadurch ab, daß er sein Gesellschaftsideal glaubt erreichen zu können,