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Kollektivismus und Kommunismus
| genießen können? Weshalb? Empfindet er gewöhnlich nicht
^ ^ne höhere Befriedigung bei seiner Arbeit, als diejenigen, die im
schweiße ihres Angesichts die gröbsten und schmutzigsten verrich-
' ^ngen auf sich nehmen müssen? Und nun soll ihr Anteil an den
! b °k ihnen gewonnenen Sachgütern verkürzt werden, um jenen neben
I ^r geistigen Freude auch noch sinnliche Vergnügen zu bereiten?
| Außerdem! wertvollere Erzeugnisse können gewöhnlich erst nach
| iiingerer Erziehung hervorgebracht werden. Auch diese wurde ihnen
I Weil. während die Armen an Geist sobald wie möglich zu geistloser
Arbeit angehalten werden."
6uf diese Einwände und Vorwürfe dürfte es den Vertretern der
! ^gierung in dem Parlament eines kollektivistischen Gemeinwesens
^vorausgesetzt. daß es diese veraltete Einrichtung dort noch gibt und
i die Massen es nicht vorziehen, den Staat auf einfacherem Wege zu
Agieren — sehr schwer werden, etwas Stichhaltiges zu erwidern.
Und der Schluß aus alledem? Der Kollektivismus, der so gern
Q ' s die höhere, die wissenschaftlichere Form des Sozialismus ge
wiesen wird, ist in Wahrheit nur eine Halbheit. Der Kollektivis
mus wird immer nur eine Form des Übergangs zum völligen Kom
munismus sein können. Sobald man tiefer in die Dinge eindringt,
M>rd man unfehlbar zu dem Ergebnis kommen: Ls gibt nur eine
konsequente und in sich geschlossene Form des Sozialis
mus. Vas ist der Kommunismus. Jeder Sozialismus, der
Mirklich Ernst machen will mit der Durchführung der sozialistischen
Zündsätze, wird schließlich — freiwillig oder gezwungen — beim
Kommunismus ankommen. Ls gibt auf dieser Bahn kein halten, Nkit
^rselben inneren Notwendigkeit, mit der das individualistische Ge-
^llschaftssqstem zum Kapitalismus führt, führt das sozialistische zum
Kommunismus. Insofern ist die Entwicklung, die wir jetzt innerhalb
' sozialistischen Bewegung erleben und die ja eben dadurch gekenn
zeichnet ist, daß der einst al; ein großartiger Fortschritt gepriesene
Mlssenschaftliche Sozialismus kläglich zusammenbricht und vor dem
Kommunismus mit seinen primitiven Instinkten das Feld räumen