war nahe daran, das anzunehmen, wurde aber bedenklich durch die
Lchwierigkeit, den auseinandergehenden religiösen Strömungen
des dortigen Lebens vollauf zu genügen: die Unitarier hakten mich
zuerst berufen, ihnen war ich zunächst freundschaftlich verbunden;
Sie neue Linladung aber ging mir von philosophisch gesinnten
Mitgliedern der Hochkirche zu. Ich fürchtete durch einen solchen
gegensatz in eine schiefe Lage zu kommen, öo habe ich schließlich
fene Linladung abgelehnt. Lharakteristifch für die damalige
Htimmung war es, daß der in London bestehende Preffe-Klub
auswärtiger Vertreter mir einstimmig eine liebenswürdige Lin
ladung sandte, und daß mir dabei ausdrücklich versichert wurde,
auch die französischen Journalisten teilten diese gestnnung. Daß
auch darüber hinaus in französischen Kreisen eine freundliche
ötimmung für uns herrschte, zeigte der Besuch des angesehenen
Philosophen Boutrous, der sowohl in Berlin als in Jena in sym
pathischer Weise gesprochen hat. Ltuch einer mich erfreuenden Lidresse
seitens bulgarischer Kreise möchte ich gedenken, die im Frühling
1914. an mich kam. Zu den Bulgaren hatte ich seit einer Keihe von
Jahren, fa Jahrzehnten manche wissenschaftliche und persönliche
Beziehungen, viele Ltudenten kamen nach Jena wegen der hier
blühenden Pädagogik, andere wegen der Philosophie. Mehrere
haben unter meiner Leitung promoviert, verschiedene von ihnen
sind in ihrem Vaterlande zu hohen Stellungen gekommen. Llus
dem Kreise dieser öchüler und freunde wurde an mich die Bitte
gerichtet, den von den früheren Kriegen tiefgebeugten Bulgaren
einen tröstenden und anerkennenden Brief zu schreiben, der durch
die dortigen Zeitungen zu veröffentlichen sei. Vas ist depn auch
geschehen, und nach einiger Zeit erhielt ich einen in französischer
Sprache verfaßten Dankbrief, der von allen öpitzen des bulgarischen
Volkes persönlich unterzeichnet war. Ich war sicherlich nicht der
Linzige, der einen solchen Dank erhielt, immerhin hat es mich auf
richtig erfreut, in dieser Weise zu einem ganzen Volke ein persön
liches Verhältnis zu erlangen'". Daß das auch gegenüber Finnland
in noch gesteigerter Weife geschah, wurde schon erwähnt. Von
bulgarischen Kreisen erhielt ich auch während des Krieges freund
liche Linladungen, denen ich aber leider aus Mangel an Zeit nicht
folgen konnte.
* In jener bulgarischen Lldresse waren namentlich folgende Stellen be
merkenswert:
„Vous etes, Nonsisur, äs css amis de !a Bulgarie qui par leurs pa-
roles, leurs ecrits et leurs actes ont mdrite sa reconnaissance eternelle“.
„Nous, soussignds, reprdsentants des institutions et des socidtes de
culture intellectuelle en Bulgarie, nous venons vous exprimer taute la
reconnaissance du peuple bulgare“.