IX. MARKTORGANISATIONEN 281
Die Kurse werden in Berlin wie an allen Effektenbörsen des
Deutschen Reiches nach Prozenten des Nennwertes festgestellt;
Kuxe, Genußscheine und unverzinsliche Lose notieren per Stück.
Bei Aktien, deren Nominale nicht voll eingezahlt ist, wird die
fehlende Einzahlung vom Kurswert in Abzug gebracht. Effekten-
zinsen werden nur auf festverzinsliche Wertpapiere, die auf Gold-
mark oder Reichsmark lauten, gerechnet, Aktien zinsfrei gehandelt.
— Die Kursmakler sind in Gruppen von zwei und mehr Maklern
eingeteilt, denen bestimmte Börsewerte zur Vermittlung zugewiesen
sind. Man unterscheidet in der Nachkriegszeit Einheitskurse und
schwankende Kurse. Jene werden imWege der Berechnung von den
Kursmaklern durch Kompensation der ihnen zugeteilten Aufträge für
sämtliche Papiere ermittelt und festgestellt. Es erfolgt zunächst um
1 Uhr eine vorläufige Feststellung im Schranken in Gegenwart
der Börsebesucher; nach Beendigung des Börseverkehres beginnt
die definitive Kursfeststellung, bei der außer dem Staatskommissär,
dem Börsevorstand, den Börsesekretären und den Kursmaklern
niemand anwesend sein darf. Der schwankende Kurs!!), auch
variabler Kurs genannt, entsteht im Augenblick des Geschäftsab-
schlusses und gilt daher nur für den betreffenden Abschluß.
Prämiengeschäfte können mit Barprämie (sofortige Prämien-
zahlung), mit Reugeld (Vor- und Rückprämie), dann als Stellage-
oder Stellgeschäfte und als Nochgeschäfte abgeschlossen werden.
Gelddarlehen mit täglicher Kündigung (sogenanntes tägliches
Geld) sind nach Kalendertagen zu verzinsen und gegenseitig an der
Börse bis 1 Uhr kündbar. Die Rückzahlung hat am folgenden Börse-
tage bis 12 Uhr mittags zu erfolgen.
Der vor dem Kriege sehr bedeutende Umsatz in nicht kotierten
ausländischen Werten (Freiverkehr), besonders in afrikanischen und
australischen Gold-Shares und amerikanischen Eisenbahnwerten hat
aufgehört. An seine Stelle ist ein starker Verkehr in inländischen,
amtlich nicht notierten Effekten getreten, so daß hiefür besondere
Usancen für alle deutschen Börsen aufgestellt wurden. Ein bedeuten-
der Handel besteht seit jeher in Kuxen.
Bei der Abwicklung der an der Berliner Wertpapierbörse
geschlossenen. Geschäfte bedient man sich gewöhnlich der Bank des
Berliner Kassenvereins (kurzweg „Kassenverein‘“ genannt), die
sowohl die Ablieferung der Stücke wie auch die Einziehung der
Beträge übernimmt. Außerdem unterhält sie ein Giro-Effektendepot;
weiße Schecks dienen zur Abhebung, rote zur Übertragung, grüne
1) Die Notierung schwankender Kurse ist auf bestimmte Papiere (haupt-
sächlich Aktien großer Montan- und Verkehrsunternehmungen) und auf den
Abschluß von Mindestbeträgen beschränkt.
ws
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