Die Sozialisierung des Wettbewerbes.
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Dritter Abschnitt.
Die Sozialisierung des Wettbewerbes.
1. Das Wesen der Sozialisierung.
Gehen wir von der gegebenen Verknüpfung der einzelnen Volks
wirtschaften untereinander aus, so ergibt sich, daß der tatsächliche Anteil
der einzelnen Volkswirtschaft aus dem ungeregelten Kampfe unter den
Mitbewerbern entspringt. Jede einzelne Volkswirtschaft sucht mit ihren
privaten und den ihr zur Verfügung gestellten öffentlichen Macht
mitteln den größtmöglichen Anteil an der Weltwirtschaft zu
erringen, ohne sich bewußt zu werden, daß die Erhaltung der fried
lichen Zusammenarbeit aller auch im Interesse des einzelnen Teil
habers liegt. Die Stellung der einzelnen Volkswirtschaft ist bisher durch
die wirtschaftliche Macht und die errungenen individuellen Bevor
rechtungen gegeben gewesen. Wir haben bereits ausgeführt, daß diese
ßevorrechtungen zugunsten einer rechtlichen Gleichheit abgeschafit oder
begrenzt werden müssen, soll nicht der Bestand der Weltwirtschaft über
haupt in Frage gestellt sein. Dies wäre das Ziel der Internationali
sierung des Wettbewerbes.
■ Aber diese formale Gleichheit wäre noch keineswegs mit der materi
ellen Gleichheit verbunden. Die rechtliche Freiheit und Gleichheit des
Wettbewerbes würde es immer noch zulassen, daß eine einzelne Volks
wirtschaft infolge ihrer überlegenen wirtschaftlichen Machtmittel den
Vorrang vor den anderen erringt. Damit ist die Möglichkeit einer Unter
jochung der einen Volkswirtschaft durch die andere und der offene
oder verschleierte Wirtschaftskampf gegeben; infolge der wechselseitigen
Verflechtung leiden aber alle Wirtschaften an dem Kampfe mehrerer von
ihnen. Bisher hat das Kapital, insbesondere in seinen Erscheinungs
formen des Großgrundbesitzes, der Schwerindustrie und der Hochfinanz,
den internationalen Wirtschaftskampf beherrscht; der einzelne Staat hat
seine Machtmittel diesen Trägern des wirtschaftlichen Imperialismus zur
Verfügung “gestellt. Die Betätigung der wirtschaftlichen Expansion in
der bisher üblichen, gewalttätigen Form hat nicht nur zu periodischen
Wirtschaftskrisen, sondern auch schließlich zum Wirtschaftskriege ge
führt. Die Zusammenhänge zwischen der nationalen Wirtschaftspolitik
und dem Weltfrieden sind noch viel zu wenig erkannt. Es muß erst die
Erkenntnis durchdringen, daß der wirtschaftliche Imperialismus einen
überaus wichtigen Teil der auswärtigen Politik überhaupt bildet und eine
ständige Friedensgefahr darstellt. Die erforderlichen Einschränkungen’der
nationalen Ausdehnung können nicht auf dem Wege der Gewalt, sondern
nur auf dem der Vereinbarung erfolgen. Die Abhilfe gegen die Anarchie
in den wirtschaftlichen Beziehungen der Staaten liegt nicht in den über