Full text : Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

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Petersburg  mit  Rybinsk  zu  verbinden,  tritt  der  Grundsatz  der  russischen
Verkehrspolitik  zutage,  Und  das  zwischen  Wolga  und  Don  gebaute
Bähnchen  sollte  gerade  der  Schiffahrt  auf  den  beiden  großen  südostrussischen ­
  Strömen  zugute  kommen  und  war  auch  von  der  Wolga-Don-Dampfschiffahrtsgesellschaft
  gebaut  worden.  Die  Vermeidung  der
Konkurrenz,  welche  die  Eisenbahnen  herbeiführen  könnten,  war  länger
als  sonst  in  Europa  peinlich  beachtetes  Prinzip.  Fast  stets  schneiden
und  treffen  die  Bahnen  die  Flüsse,  häufig  im  rechten  Winkel,  und  nur  an
ihrem  Oberlauf  werden  sie  zuweilen  von  Bahnen  begleitet.
Während  im  eigentlichen  Rußland  der  Staatsbahngedanke  unterlag,
wurde  er  im  Großfürstentum  Finnland  zu  derselben  Zeit  von  neuem
erprobt  in  der  bereits  1851  als  Pferde-,  1856  als  Dampfbahn  beschlossenen
und  1862  vollendeten  Linie  Helsingfors—Tavastehus.  Auch  hier  ist  der
Einführung  der  russischen  Reichsspur  keine  große  politische  Bedeutung
zuzuschreiben.  Der  Bau  wurde  ohne  politischen  Hintergrund  russischen
Ingenieuren  übertragen.  Auch  als  späterhin  die  Frage  der  Verwendung
westeuropäischer  Spur  auftauchte,  blieb  man  bei  der  russischen  Schienenbreite. ­
  In  Finnlands  Granitboden  stellten  sich  dem  Bahn  bau  weit
größere  Schwierigkeiten  entgegen  als  in  den  meisten  anderen  Teilen
Rußlands.  Deshalb  und  um  Kosten  zu  ersparen,  wurde  auch  die  erste
große  finnische  Bahn,  welche  die  Hauptstadt  mit  St.  Petersburg  verbindet, ­
  nicht  der  Küste  entlang  gebaut,  zweigte  vielmehr  in  Riihimäki
  von  der  Tavastehusbahn  ostwärts  ab 1 ).
Immerhin  war  zu  Beginn  der  sechziger  Jahre  erst  ein  verhältnismäßig
kleines  Bahnnetz  geschaffen  worden *  2 ).  Das  bedeutendste  Ziel  blieb
zunächst  immer  noch  die  Verbindung  mit  dem  Süden.  Die  Regierungsforderung ­
  von  1857  hatte  der  Großen  Russischen  Eisenbahngesellschaft
diese  Aufgabe  übertragen,  der  sie  nicht  gerecht  werden  konnte.  So
sah  sich  die  Regierung  genötigt,  mit  dem  Bau  der  großen  Südbahn
selbst  zu  beginnen.  1866  wurde  diese  bis  Serpuchow  an  der  Oka  gebaut,
in  rasch  durchgeführten  Bauabschnitten  wurden  Tula,  Orel  und  Kursk
(19.  September  1868)  erreicht.  Die  Regierung  überließ  auch  diese  Bahn
1871  einer  Privatgesellschaft,  der  Moskau-Kursker,  gleichwie  sie  am
am  20.  Juni  1868  die  Nikolaibahn  der  Großen  Russischen  Gesellschaft
unter  der  Pachtform  übermittelte.  Die  Kursk-Charkow-Asower-Bahn
baute  dann  die  anschließende  Südstrecke,  die  sich  in  Losowaja  von  der
ursprünglich  vorgesehenen  Krimlinie  gabelte,  ein  Zeichen,  daß  der
Plan,  die  Linie  in  einem  Hafen  der  Krim  enden  zu  lassen,  wieder  nicht
zustande  kam.  Daß  übrigens  das  Ziel  der  ersten  Südbahnverbindung
mehr  nach  dem  Osten  verschoben  wurde,  mag  wohl  auch  politisch  nicht
unbegründet  gewesen  sein.  Bedeutsam  wies  die  Linie,  die  von  einer
weiteren,  der  Rostow-Wladikawkasgesellschaft  bereits  1875  bis  nach
J )  Eröffnet  wurde  übrigens  diese  Linie  erst  am  11.  September  1870.
2 )  Am  1.  Januar  1861  waren  es  1603,  am  1.  Januar  1863  aber  schon  3525  km.
            
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