Full text : Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

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deutung  verkannt,  wenn  sie  nicht  überhaupt  übergangen  wird.  Direkte
Wagen  von  Petersburg  nach  dem  Kaukasus  verkehren  über  Losowaja,
nicht  über  Woronesh.  Die  Verbindung  von  Charkow  nach  Snamenka
und  ihre  Fortsetzung  nach  Nikolajew  und  nach  Birsula  (Odessa)  ist
dagegen  nicht  so  wichtig,  wie  häufig  angenommen  wird.  Die  beste
Verbindung  zwischen  Moskau  und  Odessa  besteht  jetzt  auch  über
Brjansk—Kiew.  Die  Linie  nach  Nikolajew  (und  Cherson)  hat  als  Schnellzuglinie ­
  keine  sehr  große  Bedeutung.  Weiter  sei  erwähnt,  daß  die  alte
Bahn  von  Perm  über  Tschussowskaja  nach  Jekaterinburg  sehr  zurücktritt ­
  gegenüber  der  abkürzenden  Linie  über  Kungur,  die  ebenfalls  noch
recht  wenig  gewürdigt  wird.
Fast  regelmäßig  findet  man  auf  den  europäischen  Übersichtskarten,
die  „die  wichtigsten  Eisenbahnen“  enthalten,  auch  eine  Reihe  von
Bahnen  des  russischen  Nordens  und  Ostens.  Die  für  den  Personenverkehr ­
  unbedeutende  Bahn  von  Wjatka  nach  Kotlas  erfreut  sich  fast
stets  einer  ungebührlichen  Berücksichtigung.  Auch  sonst  fehlt  der
Gradmesser  einer  richtigen  Bewertung  noch  sehr  häufig.  Man  erinnert
sich  der  älteren  Karten,  auf  denen  die  ersten  Bahnen  von  Moskau  aus  bei
Jaroslawl  und  bei  Niscbni  Nowgorod  die  Wolga  erreichten.  Sie  galten
und  wurden  als  die  östlichsten  Ausläufer  der  neuzeitlichen  Verkehrswege ­
  tief  im  moskowitischen  Rußland  hoch  bewertet,  obwohl  sie  nur
einen  geringen  Verkehr  hatten.  Man  wich  auch  in  der  Folgezeit  nicht
davon  ab,  die  weiteren  die  Wolga  erreichenden  oder  über  sie  hinweg  -
ziehenden  Bahnen  systematisch  durch  ihre  Eintragung  hervorzuheben,
so  daß  auch  die  Bedeutung  dieser  meist  verkehrsarmen  äußersten  Ausstrahlungen ­
  des  europäischen  Verkehrs  übertrieben  gewürdigt  erscheint.
Konnte  man  vor  50  Jahren  in  der  Vollendung  der  Bahn  Moskau—Nischni
immerhin  ein  bedeutsames  Ereignis  sehen,  so  kann  heute,  wo  in  allen
Teilen  der  Erde  Bahnen  entstehen,  die  Tatsache,  daß  ein  Dutzend  Bahnen
unterhalb  Nischni  die  Wolga  erreichen  oder  über  sie  hinwegziehen,  nicht
mehr  als  besonders  wichtig  vermerkt  werden,  ebensowenig  wie  der  Bau
der  Schmalspurbahn  Wologda—Archangelsk  oder  der  an  und  für  sich
nicht  schlecht  ausgestatteten  finnischen  Nordbahn  Tojala—Uleäborg—
Torneä.  Zu  den  fast  regelmäßig  wiederkehrenden  Unrichtigkeiten  gehört
es  aber,  wenn  ein  großer  südrussisch-rumänischer  Verkehr  konstruiert
wird,  dessen  Leiter  die  „wichtige  Verbindung“  Galatz—Reni  sein  soll,
die  gar  nicht  existiert,  so  daß  natürlich  der  Verkehr  auf  der  Stichbahn
Bender—Reni  recht  unbedeutend  genannt  werden  kann 1 ).
Will  man  die  wichtigeren  russischen  Bahnen  unterschiedlich  hervorheben, ­
  so  müssen  zunächst  diejenigen  Hauptbahnen  genannt  werden,
1 )  Die  meisten  Atlanten  verzeichnen  eine  Bahnlinie  Galatz—Reni.  Immanuel
(Andrees  Geographie  des  Welthandels  I  S.  882  u.  909)  hebt  sie  als  wichtige  Verbindung ­
  hervor.  .
            
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