Full text : Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

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im  mitteleuropäischen  Sinne.  Nur  auf  sehr  wenigen  Linien  verkehren
ferner  aus  zwei  Klassen  bestehende  Schnellzüge,  so  in  Finnland  auf  der
Strecke  Helsingfors—St.  Petersburg,  ferner  auf  der  Bahn  St.  Petersburg—Moskau—Sewastopol, ­
  auf  den  politischen  Strecken  Losowaja—
Rostow—Tichorjezkaja—Noworossijsk  und  Kiew—Odessa,  auf  den
beiden  großen  Sibirienlinien  (St.  Petersburg  und  Moskau—Tscheljabinsk),
auf  der  Alexanderbahn,  wie  die  Moskau-Brester  Bahn  seit  1912  heißt,
und  auf  den  beiden  alten  Hauptstrecken  der  Warschau-Wiener  Bahn.
Dagegen  laufen  auf  den  von  Wirballen  und  Warschau  nach  St.  Petersburg ­
  führenden  Linien  solche  Schnellzüge  nicht  und  auf  den  turkestanischen
  und  den  eigentlichen  kaukasischen  Linien  verkehren  nur  aus  drei
Klassen  bestehende  Züge.  Man  kann  das  Verhalten  der  russischen
Eisenbahnverwaltungen  nach  dieser  Richtung  hin  wohl  gut  volkstümlich ­
  nennen,  ähnlich  wie  das  der  Bahnsysteme  der  nordeuropäischen
oder  einiger  süddeutscher  Staaten  (wie  Württemberg).  Wagen  der
internationalen  Schlafwagengesellschaft,  die  aber  verhältnismäßig  nur
auf  wenigen  Linien  eingeführt  sind,  sind  seit  November  1891  zugelassen;
neben  ihnen  verkehren  seit  1898  Wagen  der  national-russischen  Schlafwagengesellschaft. ­

c)  Schnelligkeit  (1er  Züge.  A  on  Schnellzügen  aufenthaltlos  durchlaufene
Strecken.
Der  jeweilige  Grad  der  Betriebstüchtigkeit  der  Bahnen  wird  auch
durch  die  Beschleunigung  der  Züge  gekennzeichnet.  Es  ist  eine  allgemein
verbreitete  Ansicht,  daß  die  Geschwindigkeit  auch  der  schnellsten  Züge
in  Rußland  ganz  minimal  ist.  So  sagt  Hettner 1 ),  daß  auch  der  Schnellzug ­
  von  Moskau  nach  Petersburg  nur  44  km  zurücklege.  Daß  diese
Annahme  schon  damals  (1905)  nicht  richtig  war,  geht  aus  dem  folgenden
Satz  hervor,  nach  dem  der  Schnellzug  die.  650  km  lange  Strecke  (also
einschließlich  des  Aufenthaltes)  in  12  Stunden  zurücklegt.  F.Immanuel
beziffert  1910  die  Fahrtgeschwindigkeit  „auf  den  befahrensten  Bahnen
mit  durchgehendem  Verkehr“  für  Schnellzüge  auf  50,  für  Personenzüge
auf  32  W  in  der  Stunde 2 ).
x )  Hettner,  Das  europäische  Rußland  S.  169.
2 )  Andrees  Geographie  des  Welthandels  I  S.  912.  Es  sei  übrigens  erwähnt,
daß  man  schon  für  1890  die  durchschnittliche  Geschwindigkeit  der  russischen
Schnellzüge  einschließlich  Aufenthalt  auf  46,4  km,  ausschließlich  auf  50,7  km
berechnet:  Zahlen,  deren  Richtigkeit  allerdings  angefochten  wurde.  In  der
älteren  Zeit  legten  die  Personenzüge  der  Nikolaibahn  31 1 / 2  W,  die  Güterzüge  15  W
zurück.  Im  Jahre  1901  bezifferte  man  die  Geschwindigkeit  der  ersteren  einschließlich ­
  des  Aufenthalts  auf  31—53  W,  der  letzteren  auf  13—21  W  (vgl.  AEW
25.(1902)  S.  918).  —  Daß  dann  in  den  Tageserzeugnissen  ähnlich  falsche  Anschauungen ­
  verbreitet  werden,  kann  nicht  wundernehmen.  AVenn  aber  in  einer  großen
Tageszeitung  einer,  der  sich  über  „das  russische  Kulturproblem“  verbreitet,  zunächst
mit  einem  Seitenhieb  über  die  russischen  doppelgeleisigen  Eisenbahnen,  den  er
            
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