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Die Lehre vom Wirtschaftsbetrieb.
in einer Darstellung statt. Drittens will die Lehre vom Wirtschaftshetrieb
die Erscheinungen, Vorgänge und Verfahrensweisen nicht nur wissenschaftlich
erklären, beschreiben und verwesentlichen, sondern auch beurteilen und in bestimmte
Bahnen lenken. Das gilt sowohl innerhalb der Wissenschaft als auch in
der wissenschaftlichen Technik. Sie fühlt sich hierzu berufen und imstande, weil
sie auf Grund ihrer wissenschaftlichen Grundlage über die Sachkenntnis verfügt,
die richtunggebende und wertvolle Urteile ermöglicht. In diesem Sinne stellt die
Lehre vom Wirtschaftshetrieb Regeln auf, wie etwas sein soll und gemacht werden
soll; sie verläßt damit bewußt den Boden der eigentlichen Wissenschaft, die zunächst
nur feststellen will, was ist und warum es so ist. Es wäre eine durch nichts
zu rechtfertigende Selbstverstümmelung, wollte die Lehre vom Wirtschaftsbetrieb
bei den ersten beiden Aufgaben stehen bleiben und auf die dritte Aufgabe verzichten.
Freilich zur Handhabung der letzten Aufgabe: der Wirtschaftsbetriebspolitik,
sollten als Grundlage die wissenschaftliche Erkenntnis des Seins und die
wissenschaftliche Kenntnis von den Verfahrensweisen (Technik) nicht fehlen.
Alle Wissenschaft läuft darauf hinaus, an Stelle der uns verwickelt und zusammenhangslos
erscheinenden Vorgänge gedanklich einfache und verständliche
Wesenheiten zu setzen. Diese Vereinfachungen, richtig geordnet und in ihrem
Verhältnis von Ursache und Wirkung erläutert, nennen wir Theorie. Die Wissenschaft
bedient sich der Theorie, um die Zusammenhänge der Wirklichkeit aufzudecken
und vorhandene Gesetzmäßigkeiten zu erkennen. Ihr Zusammenhang mit
der Wirklichkeit ist in vorstehendem angedeutet. Um so verwunderlicher ist die
Hervorkehrung eines vermeintlichen Gegensatzes zwischen der Theorie und der
Praxis. Insbesondere im Bereiche der Wirtschaft ist es üblich, in geringschätzender
Weise von der Theorie zu sprechen, sei es, daß der Praktiker sich über
die Theorie erhaben fühlt, oder der angehende Praktiker bei seinem Studium
nicht einsehen will, warum er sich soviel mit der Theorie beschäftigen soll.
Wenn Theorie nichts anderes ist, als sich über sein Handeln nach Zielen und
Mitteln und den Zusammenhängen von Ursachen und Wirkungen gedankliche
Klarheit zu verschaffen, so geht eigentlich jeder Praktiker von einer Theorie
aus; er hat eine Theorie, nach der er sein Handeln einrichtet. Es fragt sich
nur, ob diese seine Theorie für sein Tun ausreicht, ob sie eine vollständige,
logisch und praktisch richtige Theorie ist. Je verwickelter das Wirtschaftsleben
ist, und je unübersichtlicher der einzelne Wirtschaftsbetrieb wird, um so
weniger leicht lassen sich die näheren und weiteren Umstände des Tuns und dessen
voraussichtliche Wirkungen erkennen und abschätzen. Hier hilft die Wissenschaft
durch die Vorarbeit der Schaffung einer Theorie, d. h. einer gedanklichen Vereinfachung
der Praxis, um die Zusammenhänge zu erkennen, die sich nicht ohne weiteres
aus der Erfahrung ergeben. Wie die Theorie die gedankliche Erfassung der
Praxis ist, so ist Praxis nichts anderes als wirklich gewordene Theorie. Ein Unterschied
zwischen Theorie und Praxis besteht nicht — oder sollte nicht bestehen —,
wenn das Wesen der Theorie und der Praxis richtig erkannt wird, wenn die Praxis
weiß, was Theorie ist und zu bedeuten hat, und die Theorie weiß, was sie sein und
bedeuten soll. In der richtigen Gestaltung der Theorie auf der einen Seite und
ihrer richtigen Anwendung auf der anderen Seite liegt allein das Problem der
Theorie.
In dem Verhältnis: Theorie zur Praxis kann man eine Stufenfolge von Theoriegebilden
unterscheiden (Spiethoff). Auf der untersten Stufe wird eine Theorie aus
gegebenen Voraussetzungen entwickelt: die Schaffung der Theorie mit Hilfe der Abstraktion
und Logik. Sie zeigt das Wesentliche, die Zusammenhänge und die Gesetzmäßigkeiten.
Eshesteht die Gefahr, daß die Voraussetzungen, von denen sie ausgegangen
ist, mit der Zeit vergessen werden, oder die erstmaligen Voraussetzungen