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Die Arten und Formen der Wirtschaftsbetriebe.
Die Unterscheidungen: Manufaktur und Fabrik, Händler- und Technikgewerbebetrieb
sagen nichts über den Begriff des Handwerks aus. Dieser liegt sozusagen
auf einer anderen Ebene. Es ist bekannt, daß Feststellungen, was unter Handwerk
zu verstehen ist, häufig gemacht worden sind, ohne jedoch allgemeine Zustimmung
gefunden zu haben. Das liegt daran, daß es nicht ein sondern verschiedene
Merkmale sind, die das Handwerk als einen besonderen Typ des Gewerbe-
(Industrie-) Betriebs erscheinen lassen. Diese Merkmale sind; persönliches
Vertrautsein mit den Arbeitsverfahren, die vorwiegend auf Handarbeit beruhen,
persönliche Beziehungen zu den Abnehmern, deren besondere Wünsche berücksichtigt
werden, persönliches Verhältnis zu den Mitarbeitern (Gesellen und Lehrlingen).
Aus dieser Kennzeichnung folgt das andere: in der Regel kleinere Betriebe,
individuelle Leistungen, Zusammengehören von Menschen und Stoff, in
dem sich die handwerklichen Fähigkeiten offenbaren, und aus dem das Werk
hervorgeht. Die Natur des Handwerkes schließt die Verwendung von Kraft und
Werkzeugmaschinen nicht aus; nur muß die persönliche Färbung der Handarbeit
Oberhand über die Maschinenarbeit behalten. Wenn wir im Zuge der obigen Einteilungen
: nach der technischen Seite (Manufaktur und Fabrik) und nach der wirtschaftlichen
Seite (Handels- und Technikindustriebetrieb) bleiben wollen, so ließe
sich das Handwerk nach der persönlichen Seite abgrenzen; die Person des Handwerkers
steht im Mittelpunkt des Betriebes.
Diese persönliche Seite des Handwerks tritt nach vier Richtungen hin in Erscheinung.
In der Organisation des Handwerkbetriebs: der Handwerker ist nicht
nur technischer Bearbeiter des Stoffes, sondern wie Sombartes treffend ausgedrückt
hat, zugleich in einer Person Generaldirektor und Arbeiter, Organisator
und Verkäufer, Buchhalter und Kassierer. Es ist klar, daß sich aus dieser Arbeitsvereinigung
häufig genug persönliche Schwierigkeiten ergeben.
In der Berufsgliederung: der Handwerker ist in technischer Beziehung niemals
alles, sondern immer Spezialist, seinen Fähigkeiten und Neigungen entsprechend:
Schlosser, Tischler, Schuhmacher, Schneider. In der Leistung: das von ihm verfertigte
Erzeugnis ist — mehr oder weniger — seiner Hände Arbeit, ein Stück
seiner Persönlichkeit, an dem er hängt, und mit dem ihn persönliche Beziehungen
verbinden. In der Wirtschaftsauffassung endlich: Wirtschaft und Betrieb sind in
derselben Person verkörpert, wobei der Betrieb, d. h. die Wirtschaftstätigkeit den
Schwerpunkt eben in der handwerklichen Arbeit hat. Das Erwerbsstreben, das
naturgemäß vorhanden ist, tritt zurück; mit ihm das kapitalistische Denken und
Rechnen. Der Handwerksbetrieb ist— nach unserer Begriffsbestimmung — nicht
als Unternehmung anzusprechen, vielfach auch deshalb nicht, weil gerade beim
Handwerk (wie beim kleinen Händler) Wirtschaftsbetrieb und Haushalt noch nicht
getrennt sind, sondern ineinander übergehen. Der Handwerker verkörpert den Familienvater,
den Wirtschafter und den Arbeiter in einer Person (meist sogar in
räumlicher Einheit; Wohnhaus zugleich Arbeitsstätte). Wenn versucht wird, dem
Handwerker das Kostendenken und eine geordnete Buchführung beizubringen
— was dem Handwerksbetrieb nur nützlich sein kann — so muß man wissen, daß
der hiermit leicht verbundene Übergang zum kapitalistischen Denken (kapitalistische
Rechnung) den Handwerker aus seiner bisherigen Eigenart herausbringt.
Das Handwerk steht unter dem Druck der Entwicklung zum unpersönlichen Gewerbe-(Industrie-)
Betrieb, seies in Richtung der Manufaktur oder der Fabrik. Insbesondere die Automatisierung
der technischen Arbeit in der Fabrik, die zur Massenherstellung und Verbilligung
des Einzelstüoks führt, übt einen großen Einfluß auf die Lebensbedingungen und -fähigkeit
des Handwerks aus. Jedoch nicht schlechthin in der Zuspitzung: Handwerk oder Fabrik,
sondern bemerkenswerterweise in vielerlei Beziehung. Gewiß wird ein großer Teil des Handwerks
durch die Fabrik einfach lahmgelegt und entwurzelt, so z. B. der Schuhmacher durch
die Schuhfabrik, der Böttcher durch die Faßfabrik, neuerdings der Schneider durch die Be