Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

Das  Entgelt.

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2.  Mindestgehälter  und  Altersstufen.  Das  Streben  der  Angestellten  geht  naturgemäß ­
  dahin,  durch  die  Gehälter  ihr  Auskommen  zu  finden  und  sich  ihr  Fortkommen ­
  und  die  Lebensmöglichkeit  zu  sichern.  Mit  zunehmendem  Alter,  mit  der
Eheschließung  und  der  Zahl  der  Kinder  wächst  erklärlicherweise  der  Wunsch  und
die  Notwendigkeit,  das  Einkommen  zu  erhöhen,  selbst  wenn  eine  entsprechende
Steigerung  der  Leistung  nicht  eintritt.  Diesem  Streben  nach  höheren  Einkünften
mit  steigendem  Alter  stehen  im  allgemeinen  ohne  weiteres  zwei  Möglichkeiten
offen:  der  Angestellte  kann  selbständig  werden  oder  eine  besser  bezahlte  Stellung
zu  erhalten  versuchen,  die  er  entweder  im  gleichen  oder  in  einem  anderen  Betrieb
finden  kann.  Die  Verselbständigung  ist  allerdings  nur  in  wenigen  Geschäftszweigen ­
  und  nicht  allen  Angestellten,  sondern  nur  den  gehobenen  möglich;  vor
ahem  im  Kleinhandel,  aber  auch  im  Großhandel  finden  immer  wieder  tüchtige
Leute  Gelegenheit,  selbständig  ein  Geschäft  zu  eröffnen.  Für  die  große  Masse
der  AngesteUten  bleibt  jedoch  dieser  Weg  verschlossen.
Auch  die  Möghchkeiten,  durch  Übergang  in  andere  SteUungen  im  gleichen
oder  fremden  Betriebe  die  Gehälter  aufzubessern,  sind  begrenzt;  der  natürliche
Abgang  durch  Tod  oder  Erkrankung,  die  Zurruhesetzung  u.  a.  bietet  längst  nicht
genügend  Spielraum;  ein  zwischenbetrieblicher  Wechsel  aber  wird  durch  die  weitgehende ­
  Mechanisierung  und  Vereinfachung  vieler  Tätigkeiten  erschwert,  da  meist
genügend  jüngere  und  an  Betriebserfahrung  reichere  Angestellte  zur  Verfügung
stehen.  Endlich  aber  spielt  natürlich  der  Stillstand  der  industriellen  und  kaufmännischen ­
  Entwicklung  im  ganzen  dabei  eine  Rolle;  die  frühere  stürmische  Ausweitung ­
  ist  heute  einer  ruhigeren  Nachfrage  gewichen.  Die  Bildung  der  Großbetriebe, ­
  die  die  Ausbildung  und  Anlernung  betriebserfahrener  Angestellter
einer  mit  vielfachen  mittel-  und  unmittelbaren  Anlefnkosten  verbundenen  Einstellung ­
  betriebsfremder  Personen  oft  vorziehen,  wirkt  ebenfalls  dem  Stellenwechsel ­
  entgegen.
Unter  dem  Druck  der  Verhältnisse  hat  sich  daher  allgemein  die  Einrichtung
der  Mindestgehälter  und  der  Gehaltssteigerung  mit  zunehmendem  Alter  auch  für
die  gleiche  Tätigkeit  herausgebildet.  So  sieht  z.  B.  der  Tarif  für  Bankangestellte
Erhöhungen  um  5—20  RM.  für  den  Monat  nach  jedem  Jahr  vor.  Nach  15  Jahren
ist  das  Höchstgehalt  erreicht  bei  einem  Alter  der  Angestellten  von  30—35  Jahren.
Diese  Regelung  bedeutet  natürlich,  daß  den  Betrieben  für  die  gleiche  Arbeit
höhere  Aufwendungen  entstehen,  und  es  kommt  die  Neigung  auf,  aus  Kostenersparnisgründen ­
  möglichst  ledige  und  junge  Angestellte  zu  beschäftigen,  für  die
ein  geringes  Mindestgehalt  vorgesehen  ist.  Zwar  kann  sich  mit  steigendem  Alter
und  zunehmender  Berufserfahrung  die  Leistung  erhöhen  und  der  Wirtschaftsbetrieb ­
  könnte  somit  versuchen,  diese  älteren  und  erfahreneren  Leute  an  schwierigere ­
  und  verantwortungsvollere  Posten  zu  stellen  —  sofern  ihm  genügend
solcher  Posten  zur  Verfügung  stehen,  was  meist  nicht  der  Fall  ist.  Im  allgemeinen
wird  jedoch  in  den  unteren  Tätigkeitsgruppen,  die  einfache  Arbeiten  umfassen,
die  Höchstleistungsfähigkeit  sehr  schnell  erreicht,  ja  sie  wird  mit  zunehmendem
Alter  sogar  wieder  sinken;  ferner  hängt  bei  selbständigen  und  schwierig  verantwortlichen ­
  Arbeiten  die  Leistung  mehr  von  der  Eignung  und  dem  beruflichen
Wissen  als  vom  Lebensalter  ab.
Die  Einstufung  des  Gehaltes  nach  dem  Berufsalter  wirft  daher  sowohl  für
den  Betrieb,  dem  durch  sie  höhere  Kosten  entstehen,  als  auch  für  die  Angestellten
eine  Reihe  wichtiger  Erwägungen  auf.  Die  älteren  Angestellten  werden  leicht
aus  ihrer  Arbeit  verdrängt  zugunsten  der  billigeren  jüngeren  Kräfte,  während
andererseits  die  jüngeren  Leute  trotz  gleicher  Leistung  nur  um  ihrer  Jugend  willen
schlechter  bezahlt  werden,  was  vielfach  das  Streben  nach  höherem  Wissen  und
besseren  Leistungen  hemmt.  Es  kommt  aber  hinzu,  daß  die  Betriebe  oft  ge ­
            
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