Full text : Wie Deutschland seine Schulden bezahlen kann!

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volkswirtschaftliche  Pflicht  der  Steuergesetzgebung  sein.  Daß  eine
Einkommensteuer,  wie  ich  sie  plane,  im  Interesse  unserer  Volkswirtschaft ­
  liegt,  dürste  aus  folgender  Ueberlegung  erhellen^  Schon  heute
kommt  es  häufig  vor,  daß  Unternehmer  buchmäßig  wohl  viel  verdienen, ­
  aber  in  Wirklichkeit  stark  verschuldet  sind  und  kaum  noch  den
nötigen  Kredit  finden,  um  den  für  die  Einkommensteuer  nötigen
Betrag  aufzubringen.  Wenn  man  sich  dieses  vergegenwärtigt,  so
wird  man  einsehen,  daß  in  unserer  gegenwärtigen  Steuerpolitik  ein
böser  Rechenfehler  ist,  denn  es  hat  doch  schlechterdings  keinen  Zweck,
von  einem  verschuldeten  Unternehmer  Steuern  zu  erheben,  vorausgesetzt, ­
  daß  die  Verschuldung  nicht  durch  private  Verschwendung  eingetreten ­
  ist.  Es  ist  überhaupt,  wie  des  näheren  auszuführen  ist,
ein  steuerlicher  Unterschied  zwischen  den  verschiedenen  Unternehmen
zu  machen,  und  zwar  nach  der  Art  und  Weise,  wie  sie  ihren  buchmäßig ­
  erzielten  Gewinn  verwenden.  Solange  ein  Unternehmer  den
Gewinn  wieder  in  Neuanlagen  oder  Warenvorräten  investiert,  solange
kann  der  Staat  kein  Interesse  daran  haben,  diesem  Unternehmer,  der
voll  und  ganz  im  Interesse  der  Volkswirtschaft  handelt,  durch  zu
hohe  Steuern  das  Blut  zu  entziehen.  Wenn  ein  Unternehmer  in
einem  Jahre  eine  Million  Mark  verdient,  aber  den  größten  Teil
seines  Gewinnes  in  seinem  Unternehmen  weiter  arbeiten  läßt  und
auf  jeden  Fall  nur  100000  M.  für  seinen  Privatgebrauch  entnimmt,
so  müßte  es  dem  Staat  vollkommen  genügen,  in  diesem  Jahre
20000  M.  Einkommensteuer  von  ihm  zu  erheben;  diese  Zahlung
wird  der  betreffende  Unternehmer  immer  leisten  können.  Ergibt  sich,
daß  er  im  nächsten  Jahre  für  seinen  Privatgebrauch  statt  100000  M.
nunmehr  300000  M.  entnimmt,  so  muß  er  selbstverständlich  60000  M.
Steuern  entrichten.  Ich  habe  wiederholt  betont,  daß  unsere  Steuerpolitik ­
  so  aufgebaut  sein  muß,  daß  alle  Personen  mit  großem
Einkommen  wieder  ein  Interesse  daran  haben,  Kapital
anzusammeln,  also  zu  sparen,  denn  aufgehäufte  und  nicht  verbrauchte ­
  Gewinne  bedeuten  auf  jeden  Fall  zunächst  einen  Zuwachs
des  Volksvermögens.  Der  Staat  müßte  also  sagen:  „Wenn  du  eine
Million  verdienst,  aber  nur  100000  M.  davon  ausgibst,  dagegen
900000  M.  sparst,  so  belohne  ich  deine  Sparsamkeit  dadurch,  daß
ich  die  900000  M.  vorläufig  nicht  besteuere.  Selbstverständlich  muß
ich  diese  Summe  zur  Vermögenshaftsteuer  heranziehen,  aber  diese
macht  ja  nur  6 / 10  Prozent  aus,  während  du  selbst  mit  dem  ersparten
            
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