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in einem Tage zusammen etwa 12 Pfund Stecknadeln liefern. 1 Pfund
enthält über 4000 Nadeln von mittlerer Größe. Diese zehn Personen
konnten demnach täglich über 48000 Nadeln herstellen“Q.
Diese Beschreibung gibt sehr gut wieder, wie in der Gesellschaft
der auf sich allein angewiesene Mensch kaum die allernötigsten seiner
Bedürfnisse befriedigen könnte, w'ährend er durch die Arbeitsteilung und
den Gütertausch seine Produktion und seinen Wohlstand verhundertfacht.
Daraufhin untersucht Smith die Gründe dieser Macht der Arbeits
teilung und führt sie auf drei Hauptursachen zurück: Die große Fertig
keit, die jeder Arbeiter, der sich nur 'Stets mit derselben Tätigkeit befaßt,
erlangt; — die Zeitersparnis, die dadurch gewonnen wird, daß man nicht
ständig von einer Beschäftigung zur anderen übergeht, — endlich die
Erfindungen und Vervollkommnungen, welche die stete Beschäftigung
mit derselben Arbeit denen, die sie alle Tage ausüben, ganz natürlich
nahe legt.
Man hat Smith vorgeworfen, den Vorteilen der Arbeitsteilung nicht
ihre Nachteile gegenübergestellt zu haben. Dies lag in seinem Plan und
ist ohne wirkliches Interesse. Die Hauptsache ist, daß er sie nicht übersah,
denn niemand hat sie klarer als er ins Licht gesetzt. Im 5. Buche führt er
in bezug auf die öffentliche Erziehung aus: „Je weiter die Teilung der
Arbeit fortschreitet, um so mehr kommt es endlich dahin, daß die Be
schäftigung des größten Teiles derer, die von ihrer Arbeit leben, d. h. der
Masse, auf einige wenige sehr einfache Verrichtungen, oft nur auf ein
oder zwei, beschränkt wird“. Nämlich: „Ein Mensch, der sein ganzes
Leben damit hinbringt, ein paar einfache Operationen zu vollziehen, deren
Erfolg vielleicht immer derselbe oder wenigstens ein ziemlich ähnlicher ist,
hat keine Gelegenheit, seinen Verstand zu üben oder seine Erfindungskraft
anzustrengen, um Hilfsmittel gegen Schwierigkeiten aufzusuchen, die ihm
niemals begegnen. Er verliert also natürlich die Fähigkeit zu solchen
Übungen und wird am Ende so unwissend und dumm, als es nur immer
ein menschliches Wesen werden kann“ 2 ).
Zwischen diesen Ausführungen und den oben ausgeführten Gedanken
scheint ein Widerspruch zu bestehen. Weiter oben stellt Smith die Be
schäftigung mit ein und derselben Arbeit als eine Quelle der Erfindungen
hin; — hier ist sie die Ursache der Verblödung des Arbeiters. Der Wider
spruch ist mehr scheinbar als wirklich, denn dieselbe Beschäftigung, die
die Einbildung zuerst anspornen mag, kann später durch ihre Eintönigkeit
eine Erschlaffung der Intelligenz nach sich ziehen. Auf jeden Fall ist der
Schluß, den A. Smith aus seiner Bemerkung zieht, sehr inteiessant. Um
den Nachteilen dieses Übermaßes von Spezialisierung zu begegnen, legt
*) Völkerreichtum I, S. 3—4, B. I, Kap. I.
*) Ebenda II, S. 215, B. V, Kap. I, Teil 3, § 2.