Full text : Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

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Osterode,  Braunsberg,  Rastenburg,  Bartenstein,  Ortelsburg  und  Memel  aufgespeichert ­
  worden.  In  Danzig,  Marienburg  und  Elbing  lagerten  im  Juli
1822  180000  Scheffel.  Es  war  zunächst  nicht  beabsichtigt,  sie  von  Staats
wegen  wieder  an  die  Bevölkerung  zu  verkaufen.  Ein  großer  Teil  wurde
der  Militärverwaltung  überlassen,  der  Rest  sollte  von  der  Seehandlung
übernommen  werden,  nachdem  der  Zweck  des  Ankaufs,  die  Erhaltung  der
Preise,  erreicht  war.
Aber  schon  im  Laufe  des  Jahres  1822  trat  in  manchen  Teilen  des
Landes  Brotnot  ein,  und  man  sah  sich  genötigt,  aus  den  Magazinen  an  Bedürftige ­
  Korn  zu  verteilen.  Hippel,  der  Regierungspräsident  in  Marienwerder, ­
  trat  als  Vorkämpfer  für  eine  Getreidehandelspolitik  alten  Stils
auf  den  Plan:  der  Roggeuankauf  sei  in  der  wohltätigen  Absicht  geschehen,
die  getreidereichen  Gegenden  von  ihrem  Überfluß  zu  befreien;  ähnliche
Fürsorge  könnten  auch  die  getreidearmen  beanspruchen;  ihnen  müsse  das
Korn  vom  Staat  zu  erschwinglichen  Preisen  geliefert  werden.  „Schon
Friedrich  II.  verfuhr  auf  gleiche  Weise."  Hippel  schlug  deshalb  vor,  an
einigen  besonders  bedrohten  Orten  Verkaufsdepots  einzurichten,  was  denn
auch  zu  Beginn  des  Jahres  1823  geschah.
Schön  war  mit  einem  derartigen  „Mitgetreidehandel"  des  Staats
durchaus  nicht  einverstanden  und  hatte  sich  schon  über  den  „tollen  Roggenankauf"
  erbostH.  Jetzt  kritisierte  er  im  Geiste  seiner  Wirtschaftstheorie  alsbald: ­
  der  Getreideverkauf  sei  ohne  rechten  Fortgang.  „Wer  Geld  hat,  kauft
lieber  vom  Privatmann,  da  die  Staatsadministrationskosten  die  Preise  bis
jetzt  ziemlich  gleich  stellen  und  da  es  an  Getreide  nicht  fehlt."
Statt  durch  staatlichen  Getreideverkauf,  in  dem  er  eine  unzulässige
und  zwecklose  Einmischung  in  die  Privatwirtschaft  sah,  hat  Schön  die  Brotnot ­
  von  1822  durch  Maßnahmen  zu  bekämpfen  versucht,  die  es  den  Notleidenden ­
  ermöglichen  sollten,  die  Krisis  durch  eigene  Arbeit  zu  überwinden.
Dem  Tüchtigen  und  Arbeitswilligen  den  Weg  zu  ebnen,  auf  dem  er  sich
selbständig  emporarbeiten  könne,  darin  bestand  ja  ein  gut  Teil  der  Staatsweisheit ­
  Schöns.  So  gebührt  ihm  auch  das  Verdienst,  den  Gedanken  der
Notstandsarbeiten  vertreten  und  durchgeführt  zu  haben.  „Die  beste
Maßregel  gegen  das  bevorstehende  Übel  ist  wohl  Gelegenheit  zum  Erwerb".
Getreide  war  nach  Schöns  Meinung  genügend  vorhanden,  und  seine  Verteilung ­
  konnte  ruhig  dem  Handel  überlassen  werden.  Höchstens  als  Naturallöhnung ­
  schien  ihm  staatliches  Getreide  verwendbar.
Von  diesem  Gedanken  cm§  machte  Schön  im  August  1822  seine  Vorschläge: ­
  Man  solle  Chausseearbeiten  anordnen,  vor  allem  die  große  Straße
von  Conitz  nach  Dirschau  fördern  und  den  Arbeitern  drei  Viertel  des  Lohns
0  An  Stägemann  23.  Aug.  1822.  Rühl  ITI  109.
            
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