Full text : Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

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in  natura  aus  den  Roggenmagazinen  auszahlen.  Seine  Vorschläge  wurden
angenommen,  und  nach  seiner  Angabe  sind  binnen  kurzer  Zeit  8  900
Arbeiter  bei  derartigen  öffentlichen  Unternehmungen  beschäftigt  worden*).
Als  dann  die  gesegnete  Ernte  des  Jahres  1823  abermals  ein  großes
Mißverhältnis  zwischen  dem  Getreidepreis  und  den  baren  Abgaben  schuf,
wurde  auf  Vorschlag  Borgstedes  ein  zweijähriger  Bedarf  für  das  in  den
Preußischen  Provinzen  garnisonierte  Militär  angekauft.  Hippel  stellte  den
Antrag,  Getreidekäufe  in  noch  größerem  Umfang  vorzunehmen.  Schön
bekämpfte  den  Plan  in  einem  Gutachten,  das  den  Gegensatz  der  streitenden
Anschauungen  zu  klarem  Ausdruck  bringt  °).  Die  Regierung  zu  Marienwerder
sei  befangen  in  den  Interessen  des  einzelnen  Ackerwirts,  „der  unbekümmert
um  den  Gang  der  Dinge  in  der  Welt  nur  hohe  Preise  haben  will  und  dem
Gouvernement  es  zumutet,  daß  es  sie  besorge".  Der  Staat  habe  mit  den
bisherigen  Ankäufen  den  Untertanen  nur  seinen  guten  Willen  zeigen  wollen,
und  der  bedeutende  Geldverlust  werde,  wie  Schön  nicht  ohne  Bosheit
hinzufügt,  durch  den  moralischen  Gewinn  überreichlich  gedeckt.  „Aber  den
Roggeuankauf  als  staatswirtschaftliche  Maßregel  halten  und  fortsetzen  zu
wollen,  würde  an  Vermessenheit  grenzen."  Schön  unterstützte  demgegenüber ­
  die  Vorschläge  der  Regierung  zu  Danzig,  die  offenbar  unter  seinem
Einfluß  zustande  gekommen  sind.  Sie  sähe  klar,  das;  „in  der  Sache  selbst,
welche  kein  Gouvernement  herbeigeführt  und  kein  Gouvernement  heben
könne,  jedem  zu  überlassen  sei,  daß  er  seine  Verhältnisse  dem  neuen  Staude
der  Dinge  anpasse.  Sie  hat  daher  von  der  Meinung,  als  ob  ein  Gouvernement ­
  durch  Mitgetreide-Handel  den  Getreidepreis  bestimmen  könne,  ganz
abstrahiert  .  Es  könne  nur  daraus  ankommen,  das  Mißverhältnis  zwischen
den  Produktenpreisen  und  den  staatlichen  Abgaben  zu  mildern.  Es  seien
deshalb  für  diejenigen  Klassensteuerpflichtigen  und  Domäneneinsassen,  die
ihre  Zahlungen  nicht  leisten  könnten,  „um  das  in  seinen  Folgen  radikaliter
verderbliche  Schenken  und  Niederschlagen  zu  verhüten,  andere  Leistungen
zu  substituieren."  Demgemäß  beantragte  Schön,  Abgabenreste  im  Betrag
von  100000  Tlr.  abarbeiten  zu  lassen,  und  zwar  nicht  nur  durch  Hand-,
sondern  auch  durch  Spanndienste.  Denn  dann  könne  der  Landmann  das
überschüssige  Getreide  getrost  an  das  Vieh  verfüttern,  da  dieses  ihm  Nutzen
bringe.
Schön  ging  also  von  der  Auffassung  aus,  daß  man  nicht  durch  Erlasse
und  Stundungen  die  Bauern  an  eine  schlaffere  Wirtschaftsführung  gewöhnen ­
  dürfe.  „Ausnahmen  von  Steuergesetzen  in  Antrag  zu  bringen,
wäre  meines  Erachtens  die  nachtheiligste  Operation  gewesen:  denn  diese
0  An  Voß  27.  Dez.  1822.  Danzig  St.  A.  161,  209.
°)  Beilage  Nr.  V.
            
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