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67752 Tlr. der aus den Jahren 1811—23 rückständigen Domänengefälle
in den vier Regierungsbezirken niedergeschlagen werden. Ende September
1825 waren in Lithauen für 168000 Tlr. Domänenreste abgearbeitet. Es
wurden Damm- und Wegearbeiten, in Lithauen vor allem Meliorationen
an den Seen und Kanälen unternommen^).
Nachdem Schön die Verwaltung der Provinz Ostpreußen übernommen
hatte, ließ er die gesamten Abgabenreste zur Abarbeitung stellen, zugleich
aber gegen die Besitzer, die binnen einer bestimmten Frist auch in dieser
Form ihre Schulden nicht begleichen konnten, die Zwangsversteigerung
durchführen. In Berlin suchte man diese Strenge zu mildern: tüchtigen
Wirten sollten die Rückstände, die nicht mehr abgearbeitet werden könnten,
lieber erlassen werden. Überhaupt sah mau hier schärfer das Grundübel:
die den Zeitumständen nicht entsprechende Höhe der Abgaben^).
Wie so oft, wurden aber diese Hinweise und Mahnungen von Schön
nicht beachtet. Erst als Motz, der Begründer des Zollvereins, das Finanz
ministerium übernahm, wurde durchgegriffen. Motz wollte das Übel an
der Wurzel fassen und das Entstehen von Abgabenresten verhindern: Er
setzte Ende 1825 die Domänengefälle, soweit sie aus der Dienstaufhebung
und der Eigentumsverleihung entstanden waren, zeitweilig herab * 3 ). Das
geschah unter dem Widerspruch Schöns, der in solchen Erleichterungen nur
„Geschenke" erblickte, die verderblich wirkten, während sein System der
Abarbeitung die „fleißigen und sorgsamen Wirte durch Anwendung eigener
Kräfte" erhalte. Das günstige Urteil über die Abarbeitungen bestätigte aus
seiner eigenen Erfahrung auch der spätere Oberpräsident von Posen, Flott-
well, der damals Regierungspräsident in Marieuwerder war; er setzte sich
deshalb entschieden für ihre Beibehaltung ein*). Namentlich bei den pol
nischen Bauern habe sich die Abarbeitung als ein moralisches Besserungs
mittel erwiesen. Flottwell hatte das System selbständig ausgebaut und
im Jahre 1825, als in einigen Kreisen die Hungersnot eintrat, mit Schöns
») Genaue Nachweiiungen: Königsberg St. A. O. P. V 23 yol. I.
-) Bericht Schöns v. 18. Aug. 1824. — CO. v. 30. Nov. 1824. Geh. St. A. 89 0
XXI Preußen Gen. 7 vol. I.
3 ) Motz an Schön 18. Dez. 1825 a. a. O. . h
*) Königsberg St. A. O. P. V Nr. 23 vol. II: Die Regierung zu Marienwerder
an Motz 29. April 1826. — Protokoll der Konferenz zu Marrenwerder , _
in Gegenwart des von Motz entfandten Kommissars, Geh. Finanzrat V. u pu s '
Flottwell an Schön 1. Mai 1827: „Es hat i. A. die Maßregel der Abarbeitung g l 9
auf die Erhaltung und Verbefferung der Wirtfchaften gewürkt und ein ang s
Bestreben zur Berichtigung der Abgaben erhalten welches bei der unen g ' .
Niederschlagung der Reste nicht erfolgt wäre, da die Aussicht auf diese M
Schulden los zu werden viele nachlässig in ihrer Wirtschaft und saumselig in
ihrer Abgaben macht."