Full text: Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

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Objekt handelt es sich offenbar um einen persönlichen Vorstoß des Finanz 
ministers gegen Schön, seinen einstigen RivalenZ. Motz benutzte die Ge 
legenheit, um auch die alten Klagen gegen Schön in Sachen der Abarbeitung 
der Domänengefälle vorzubringen. Man habe die Restanten wochenlang 
ihren Wirtschaften entzogen und an der Arbeitsstelle biwakieren lassen, 
ohne Rücksicht auf die Kosten. Die Meliorationen in Lithauen hätten zu 
gar keinem Erfolg geführt. Der Grundfehler sei, daß Schön sogenannte 
„große provinzielle Werke" ausführen wollte, statt sich mit der Regulierung 
der kleinen Flüsse oder der Urbarmachung von Forstflächen zu begnügen. 
Es sei ihm eben nur darauf angekommen, „Effekt zu machen". 
Der König hat dem Minister auf dies Schreiben keine Antwort zu 
kommen lassen. Die scharfe Kritik, die Motz an den Notstandsarbeiten in 
Ostpreußen übte, wird in manchen Punkten wohl berechtigt sein. Daß aber 
der Gedanke Schöns einen fruchtbaren Kern hatte, zeigt Motz' eigenes 
Verhalten. Die Abarbeitungen der Domänenbauern in Ostpreußen hat 
erst sein Nachfolger Maaßen abgeschafft. Nach den günstigen Erfahrungen 
in den Jahren 1825—30 glaubte er 1881 die Abgaben wieder zum vollen 
Satz erheben zu können. Er behielt sich aber einen Fonds von jährlich 
4300 Tlr. zur Aushilfe der Domänenbauern vor'). 
Motz hat die Abarbeitungen als eine revolutionäre Maßregel in Miß 
kredit zu bringen versucht, indem er sie als eine Wiederbelebung der Natural 
dienstleistungen aus der Zeit der Erbuntertänigkeit denunzierte. Daran 
war etwas Nichtiges. Wir können immer wieder beobachten, daß Schön 
die alten naturalwirtschaftlichen Formen des Abgabenwesens bevorzugte. 
Aber er erfüllte die alten Formen mit einem neuen Geist: indem er deni 
Staat die Aufgabe zuwies, Gelegenheit zum Dienst und Erwerb zu schaffen, 
huldigte er deni Gedanken eines Rechtes auf Arbeit. 
HI. Rückgang des Bauernstandes. Kreditnot. Tiefstand der 
inneren Kolonisation. 
In der Zeit von Schöns Verwaltung ist, wie allenthalben in der 
preußischen Monarchie zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, auch in 
Ost- und Westpreußen der bäuerliche Besitz zurückgegangen, und zwar hier 
in besonders starkem Maße. Der Prozentsatz allein der spannfähigen bäuer 
lichen Nahrungen, die in den Jahren 1816—59 vom nichtbäuerlichen Besitz 
0 An Stägemann 23. März 28 (Rühl 3, 396): „Alle Schreiben in dieser Ange 
legenheit sind, der Hand und dem Siegel nach, vom Finanzminister ausgegangen." 
-) JB. v. 31. Dez. 1830. Geh. St. A. 89 6 XXI Preußen Gen. 7 vol. I.
	        
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