Full text : Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

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Die  Ansicht,  die  die  Gutsherren  über  diesen  Punkt  hatten,  illustriert  am  besten
ein  Satz  Alexander  Dohnas:  „Durch  die  bäuerlichen  Regulierungen  ward
auch  die  fast  gebieterische  Notwendigkeit  herbeigeführt,  durch  Eintauschung,
durch  Annahme  gegen  Erlaß  von  Hofwehrgeldern  und  bäuerlichen  Zinsresten ­
  und  durch  bare  Bezahlung  bäuerliche  Grundstücke  zu  acquirieren,
um  zu  einem  guten  Arrondissement  und  zu  einer  angemessenen  Ausdehnung
zu  gelangen.  Da  die  Gelegenheit  nie  wiederkehrte,  so  durfte  man  dieselbe
nicht  unverantwortlicherweise  unwiderruflich  unbeachtet  vorübergehen
lassen  H."  Gerade  das  Schlobittensche  Majoratsgnt  ist  denn  auch  ein  Beispiel, ­
  daß  ungünstige  finanzielle  Verhältnisses  die  Ausdehnung
des  Gutsbesitzes  nicht  verhinderten.  Die  Begüterung  war  1829
29130  Morgen  groß.  Davon  sind  5000  Morgen  durch  die  Regulierung
und  außerdem  durch  Ankauf  köllniischer  und  bäuerlicher  Grundstücke  2100
Morgen  erworben^).  Eine  ganze  Ortschaft  ist  damals  ausgekauft  worden.
Dabei  hat  gerade  Alexander  zu  Dohna,  staatsmännisch,  wie  er  die  Dinge
anzusehen  wußte,  die  Bedeutung  eines  kräftigen  Bauernstandes  klarer
erkannt  als  die  meisten  seiner  Standesgenossen.  Wie  nmßte  es  da  anderwärts ­
  aussehen!  In  der  Steinorter  Begüterung  der  Grafen  Lehndorf,
auf  der  1795  86  Bauern  und  75  Jnstleute  gesessen  hatten,  fanden  sich  1830
nur  noch  10  Bauern  und  12  bäuerliche  Pächter,  dagegen  178  Jnstleute.
Weiterhin  wurden  auch  die  letzten  Bauern  ausgekauft.  „Ein  geradezu
erschreckendes  Beispiel  vom  Wirken  des  Fideikomnnsses  !" 4 )
In  den  dreißiger  Jahren  schwoll  die  Zahl  der  aufgekauften  Bauerngüter
noch  stärker  an.  Ganze  Dorfschasten  lösten  sich  auf.  Größere  Bauernhöfe
verwandelten  sich  in  eine  Anzahl  kleiner,  nicht  spannfähiger  Arbeiterbesitzungen. ­
  Namentlich  unter  den  kleinen  Banernstellen  wurde  gründlich
aufgeräumt.  „Während  in  Deutschland  —  so  schreibt  v.  Haxthausen  1839,  im
Sinn  des  alten  Neichsrechts  korrekt  —  der  Bauer  es  für  einen  großen  Makel
hält,  sein  Gut  aufzugeben  und  Tagelöhner  zu  werden,  ein  freiwilliger
Verlust  für  eine  Art  Schande  gilt,  sind  in  Preußen  Tausende  von  Bauern
ohne  große  Schwierigkeit  ausgekauft  worden  ^)."
Der  Staat  hat  diese  Entwicklung  ruhig  geschehen  lassen.  Theodor
von  Schön  wäre  wenig  geeignet  gewesen,  sie  zu  hemmen:  „Kleine  Bauern
sind  vom  Übel;  der  Staat  darf  ihnen  nicht  beistehen;  warum  für  sie

0  Eigenhändiges  Promemoria  v.  13.  Okt.  1829.  Schlobitten.
2 )  Vgl.  oben  S.  50  Sinnt.  6.
3 )  Expose  v.  Brünnecks  für  Schön  7.  Nov.  1829  a.  a.  O.  Gleichzeitig  sind  1800
Morgen  Forst  erworben  worden.  Die  Erwerbungen  kosteten  über  10000  Tlr.
0  Böhme  S.  73.
°)  v.  Haxthausen  S.  106.
            
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