Full text: Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

97 
er im Edikt vom 9. Oktober 1807 zum Sieg verholfen hatte, untreu ge 
worden und hat damit selbst sein Teil dazu beigetragen, daß das Werk 
der Bauernbefreiung in Preußen in unvollkommener Weise zustande kam. 
Er ist in jenen Fehler verfallen, von dem ein in Ostpreußen ansässiger 
Adliger, v. Lavergne-Peguilhen, 1841 spricht: „daß der Staat den 
Übergang zur Geldwirtschaft erzwang, ohne dem dadurch ge 
steigerten Geldbedürfnis abzuhelfen." Schön hat die Konsequenzen 
seines eigenen Werks verkannt: „Erst mittels allgemeiner Verbreitung von 
Kreditinstituten wird die Losung vom 9. Oktober 1807 eine Wahrheit 
werden*)." 
Schöns Ansichten sind in verhängnisvoller Weise beeinflußt worden 
durch die Erfahrungen, die er mit der Verschuldungsfreiheit der adligen 
Güter gemacht hatte. Sie ließen ihm die Landschaft als ein proble 
matisches Institut erscheinen und haben ihn die Vorzüge des organisierten 
Kredits nicht erkennen lassen. 
Wie der Bauernschutz ist auch die innere Kolonisation bei dem 
Retablissement ini neunzehnten Jahrhundert vernachlässigt worden. All 
bekannt ist, was Friedrich Wilhelm I. durch planmäßige Besiedlung für 
Lithauen geleistet hat, aber auch unter Friedrich den: Großen sind fast 
15000 Faniilien in Ostpreußen angesetzt worden. Nach 1815 hören wir nur 
von wenigen Fällen. Am öftesten genannt werden Einwanderer aus Ruß 
land, — rückwandernde Deutsche aus dein ehemaligen Neuost- und Süd 
preußen, Polen und Sektierer. So wurden in den Jahren 1831—42 etwa 
1000 Angehörige einer wunderlichen Sekte, der Philipponen, in Masuren 
auf Forst und Ödland angesetzt'). Eine vorbildliche, auch von Thaer ge 
rühmte Wirtschaft führten schottische Kolonisten, die der Zufall 1818 in die 
Nähe von Königsberg verschlagen hatte 3 ). Traurig war es um die Ein 
wanderung aus deutschen Ländern bestellt. Die Berliner Regierung hat 
sich wohl den alten Überlieferungen getreu bemüht, sie zu fördern. Aber es 
*) v. Lavergne-Peguilhen, Die Landgemeinde in Preußen 1841, S. 39 u. 61. 
2 ) E. Titius, Die Philipponen im Kreise Sensburg. Neue Preußische Pro 
vinzialblätter 3. Folge Bd. 9—10. — Königsberg St. A. Akten der Regierung zu 
Gumbinnen III 8 IVa Abtlg. e Nr. 4 u. 6. 
3 ) Geh. St. A. 87 B X 1. Im Anschluß an diese Gründung hat dann ein Aben 
teurer Thomas Kyle in Leith eine Schwindelfirma „British and Prussian farming 
Society" gegründet und auch in schottischen Zeitungen Propaganda für die Aus 
wanderung nach Ostpreußen gemacht. Er wußte die preußische Regierung für sich zu 
interessieren, die aber dann von ihren Vertretern in England gewarnt wurde: wenn 
man nicht Befreiung vom Militärdienst zusichere, werde man wenige Schotten nach 
Preußen ziehen können! 
Schriften de» Instituts für ostdeutsche Wirtschaft. Heft I. ‘
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.