Full text : Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

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Menschen,  die  es  nur  zu  wecken  und  von  Hemmungen  zu  befreien  gälte,
macht  die  Stärke  des  Werkes  aus,  das  Schön  in  seiner  Heimat  geleistet  hat.
Es  lag  ja  auch  ein  gut  Teil  Wahrheit  in  dem  Vorwurfe,  daß  das  merkantilistische
  System  die  Sonne  scheinen  lasse  über  Gerechte  und  Ungerechte,
daß  durch  zuviel  staatliche  Reglementierung  der  Tüchtige  gehemmt,  der
Untüchtige  künstlich  erhalten  werde.  Das  freiheitliche  Ideal,  von  dem  Schön
ausging,  hat  viele  schlummernde  Kräfte  geweckt,  die  sich  nun  regen  und
entfalten  konnten.  Aber  jenes  Vertrauen  in  die  Selbsthilfe  ermangelte  doch
der  klaren  Einsicht,  daß  der  Schwache  gegenüber  dem  Starken  wehrlos  ist,
und  führte  deshalb  zu  Aufgabe  der  weisen  Sozialpolitik  Friedrich  Wilhelms  I.
und  Friedrichs  des  Großen.  Und  die  Scheu  vor  staatlichen  Eingriffen  in
den  wirtschaftlichen  Prozeß  verhinderte  die  Erfüllung  großer  organisatorischer ­
  Aufgaben,  die  zu  ihrer  Durchführung  eine  starke  Dosis  Staatsallmacht ­
  erfordern.  Dabei  darf  nicht  übersehen  werden,  daß  neben  den
ideellen  auch  materielle  Hemmungen  wirksam  waren:  die  Mittel,  die  nach
den  Napoleonischen  Kriegen  für  das  Retablissement  zur  Verfügung  gestellt
wurden,  stehen  außer  Verhältnis  zu  den  Aufwendungen  des  Preußischen
Staats  nach  der  Pest  und  der  Hungersnot  zu  Anfang  des  achtzehnten  Jahrhunderts ­
  und  nach  dem  Siebenjährigen  Kriege.  Wenn  wir  nur  den  unmittelbaren ­
  Kriegsschaden  Ostpreußens  in  niedrigster  Schätzung  auf  100
Millionen  Taler  veranschlagt  haben,  so  dürften  die  dem  Lande  zugeflossenen
Entschädigungen  15  Millionen  Taler  kaum  übersteigen^.
Schöns  Verwaltungsweise  wurzelt  mit  ihren  Mängeln  und  mit  ihren
Vorzügen  in  der  individualistischen  Wirtschaftslehre  des  älteren  Liberalismus.
Seine  persönliche  Leistung  besteht  weniger  in  schöpferischer  Neugestaltung
als  in  der  entschlossenen,  zuweilen  sogar  starren  Durchführung  der  wirty

  v.  Borgstede  stellt  in  seinem  Bericht  v.  19.  Nov.  1823  über  den  Nominalwert
der  Entschädigungen,  die  die  Provinz  Ostpreußen  und  Lithauen  bis  dahin  empfangen

hat,  folgende  Berechnung  an:
Russische  Bons  5  944  148  Tlr.
Lieferungsscheine  10  757  793  „
Retablissementsgelder  i  650  000  „
Der  Landschaft  bar  und  in  Domänenpsandbriefen  .  .  600  000  „
Die  vom  Staat  für  Königsberg  und  die  Provinz  übernommene ­
  Kriegsschuld  2  937  643  „
21  889584  Tlr.

Außerdem  „für  verschiedene  Unterstützungen  und  Arbeiten"  83000  Tlr.  und  31050
Scheffel  Roggen.  Das  wirklich  Empfangene  betrage  aber  kaum  die  Hälfte  des
Nominalwerts.  Hinsichtlich  der  Lieferungsscheine  dürfte  seit  1823  eine  Besserung
eingetreten  sein;  außerdem  sind  seitdem  der  Landschaft  noch  etwa  2  Millionen,  den
Gutsbesitzern  durch  die  Niederschlagung  von  Vorschüssen  aus  dem  Unterstützungsfonds
ungefähr  eine  halbe  Million  zugewandt  worden  (vgl.  oben  S.  75).
            
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