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des Jahres 1823. Sein Bericht gibt uns interessante Daten über die Lage
der Provinz: Den Kriegsleistungen und Verlusten, die Borgstede auf
100 Millionen annimmt, stehen Entschädigungen im Nominalbeträge von
etwa 22 Millionen gegenüber, die aber bei dem schlechten Kursstand der
russischen Bons und der Lieferungsscheine in Wirklichkeit einen viel ge
ringeren Wert haben. Für 1822 beträgt der Ausfall an Steuern und
Gefällen in der Provinz gegen das Solleinkommen fast 1300000 Taler.
Die Hypothekenschulden sind seit 1809 um 5,7 Millionen gewachsen. 561
Güter sind bepsandbrieft; die Zinsen, die von ihnen zu zahlen sind, betragen
mehr als die Hälfte ihres bei der Taxe angenommenen Reingewinnes, und
vielfach erhöhen noch Privatschulden diesen Prozentsatz. Von jenen 651
Gütern wurden 94 meist seit 1816 zur Subhastation gebracht, wobei die
Landschaft an 57 Gütern fast eine halbe Million einbüßte. 103 stehen in
Sequestration. Die rückständigen Landschastszinsen betragen 714000 Taler.
Die Pfandbriefe, die 1813 ihren kiefsten Stand hatten (43 %) waren 1819
auf 92% gestiegen, sind aber 1822 wieder auf 79%% gesunken.
Diese Zahlen reden eine deutliche Sprache: Die Lage des ostpreußischen
Grundbesitzes hat sich seit 1816 um nichts gebessert. Die starke Verschuldung
ist in keiner Weise gemindert. Die Retablissementsgelder scheinen spurlos
verschwunden und haben sich nicht fruchtbar anlegen lassen. Soviel war
aus dieser Erfahrung zu lernen: bloße Geldunterstützungen, wenn sie nicht
in großem Umfang geboten werden konnten, führten nicht zum Ziel. Da
die Mittel des Staats' beschränkt waren, mußten also ergänzende Maß
nahmen getroffen werden.
Die Notwendigkeit einer umfassenden Hilfstätigkeit von seiten des
Staates begründete Borgstede bezeichnenderweise damit, daß bei weiterem
Fallen der Pfandbriefe die Generalgarantie aller preußischen Güter, also
auch der staatlichen Domänen, in Anspruch genommen werden müßte. Mit
den Reformvorschlägen der Deputierten des Generallandtags war Borg
stede zumeistnicht einverstanden. Die Anleihe von über drei Millionen erschien
ihm weder zweckmäßig noch rentabel. Er befürwortete, daß der Staat zehn
Jahre lang dieZinsen der Pfandbriefe zahlen solle, und daß die von den Schuld
nern einzutreibenden Zinsen als Unterstützungen denjenigen Gutsbesitzern
zugewandt würden, die bei der Regulierung Bauernland angenommen
hätten. Außerdem wollte er aufs neue ein Zahlungsmoratorium einführen.
Borgstedes Bericht wurde der Gegenstand längerer Erörterungen,
schickte auch Schön am 19. März 1824 an Rother, mit dem er kurz vorher
auf der Marienburg zusammengetroffen war, ein Gutachtens, das mit
stellten Auszug. Geh. St. A. 89 6 XXI. Preußen Gen. 2 vol. I. Hier steht auch
Borgstedes Vorbericht v. 23. Juli 1823.
0 S. Beilage Nr. II.