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etwa bloß aus Achtung vor den unveräußerlichen Rechten des Individuums
oder in der sanguinischen Hoffnung Adam Smiths, daß die freie Konkurrenz
egoistischer Interessen zu einer natürlichen Harmonie führe, — sondern
unter starker Betonung der erzieherischen Absicht: Der Staat soll im Er
werbsleben die Hände aus dem Spiel lassen, damit die Menschen das „Selbst
denken und Selbsthandeln" nicht verlernen*). Nur wenn der einzelne ganz
aus die eigene Kraft gestellt ist, nicht durch irgendwelche Standesrechte
oder durch staatlichen Schutz vor den Folgen seiner Handlungen gedeckt wirb,
wird er das Höchste leisten. Wir glauben den Fichteschen Begriff der Selbst
tätigkeit, des pflichtbewußten, durch die Überwindung von Hindernissen
nur gestählten Willens in Schöns wirtschaftlichem Liberalismus zu erkennen,
und auch seiner Beschäftigung mit der Erziehungslehre Pestalozzis müssen
wir gedenken.
Der Staat Friedrichs des Großen mit seiner Neigung, die bestehenden
Besitzverhältnisse zu erhalten, ließ nach Schöns Meinung die Energie des
einzelnen nicht zur Entfaltung kommen. Schön war ebenso ein Gegner
der Fideikommisse wie des Bauernschutzes. Er hat sich scharf gegen die
Gründung einer „Adelskette" zur Vertretung der Adelsinteressen ausge
sprochen, weil „der Adel, wenn er durch eine Kette gehalten werden soll,
nicht des Daseins wert" sei. Ganz verkehrt schien es ihm, wenn der Staat
künstlich Existenzen aufrecht erhielt, die auf so schwachen Füßen standen,
daß produktive Arbeit nicht mehr von ihnen erwartet werden konnte. Ihnen
gegenüber, mochten es einzelne oder ganze Volksklassen sein, stieg in Schön
sehr leicht die Stimmung aus: was fällt, das soll man stoßen.
In dieser Überzeugung wurde er bestärkt durch den optimistischen
Glauben, daß die Stelle, die ein wirtschaftlich Schwacher verliere, alsbald
von einem Starken ausgefüllt sein werde, daß jener nur entfernt werden
müsse, um diesem Platz zu machen. Diese Meinung verleitete ihn dazu, in
einen: gründlichen Kehraus den besten Anfang der sozialen Reformen zu
sehen, die ihm vorschwebten. Schön hatte ein deutlich ausgeprägtes
Gesellschaftsideal, das offensichtlich durch Eindrücke, die er in England
empfangen hatte, bestimmt ist: ein Adel, der sich nicht kastenartig ab
schließt, sondern in enger Verbindung bleibt mit dem Mittelstand,
darunter ein kräftiger Bauernstand, während kleine Bauern nach
Schöns Meinung „vom Übel" sind und das Schicksal des ländlichen
Proletariats ihn wenig bekümmert. Ganz ein Kind des ungeschichtlich
naturrechtlichen Jahrhunderts der Aufklärung, das Verfassungen „machen"
zu können glaubte, ist nun Schön nicht frei von dem Wahne, daß sich der
x ) Aus den Papieren III, 106: „Der unbedingte Glaube an die Weisheit und
Güte des Gouvernements, wie er unter Friedrich II. stattfand und wie er bei rohen
Völkern gut ist, vernichtet in unserem Volk alles Sclbstdenken und Selbsthandeln."