Full text : Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

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oon  ihm  als  Ideal  erträumte  soziale  Zustand  aus  dem  Nichts  schassen  ließe,
wenn  nur  zunächst  einmal  mit  dem  bestehenden,  mangelhaften  Zustand
aufgeräumt  und  jedes  kranke  und  schwache  Element  ausgeschieden  sei.  So
entsteht  Schöns  Neigung,  „tabula  rasa  zu  machen"'),  die  man  bisher  vor
allem  an  seiner  Bauernpolitik  in  den  Jahren  1807—8  beobachtet  hat,  die
aber  auch  später  wirksam  ist.  —
Auf  solchen  geistigen  Voraussetzungen  beruht  Schöns  Tätigkeit  bei  den:
Retablissement  seiner  Heimatprovinz.  „Daß  die  Nation  sich  selbst  zu  helfen
suche,  so  viel  sie  kann",  von  diesem  Grundsatz  ging  er  aus»).  Er  war  durchdrungen ­
  von  Fichtes  Mahnung,  daß  „kein  Mensch  und  kein  Gott  und  keines
>m  Gebiete  der  Möglichkeit  liegende  Ereignis  uns  helfen  kann,  sondern  daß
allein  wir  selber  uns  helfen  müssen,  falls  uns  geholfen  werden  soll»)."
Der  Gedanke  an  die  alles  überwindende  Kraft  des  Willens  gab  seinem
Handeln  die  Richtschnur.  Als  im  Jahre  1811  Schön  in  seinem  Gumbinner
  Regierungsbezirke  Anzeichen  der  Mutlosigkeit  wahrnahm,  ließ  er
an  die  Spitze  des  Amtsblattes  den  Götheschen  Satz  stellen:  Wenn  es
brennt,  so  lösche,  hats  gebrannt,  baue  wieder  auf.  „Alles  materielle
Unglück  war  ihm  eigentlich  Bagatell,  das  durch  einige  Kraftanstrengung
bald  wieder  ersetzt  wird",  so  wird  von  ihm  berichtet.  Wie  Schön  in  diesem
Geiste  Persönlich  zu  wirken  und  ihn  anderen  einzuflößen  verstand,  das  wird
uns  anschaulich  vergegenwärtigt,  wenn  wir  einen  Hilfesuchenden  erzählen
hören:  „Er  hat  mir  jede  Staatsunterstützung  rund  abgeschlagen,  ich  möchte
mir  selbst  helfen,  aber  ich  glaube,  ich  werde  es,  denn  ich  gehe  von  ihm
weg,  nicht,  als  wenn  mir  Haus  und  Hof  abgebrannt  ist,  nein,  als  wenn
ich  mir  nur  am  Licht  ein  paar  Haare  versengt  hättet"  So  ging  eine  Kraft
von  ihm  aus,  ohne  die  Schön  nie  jene  beherrschende  Stellung  in  der
Provinz  gewonnen  hätte,  die  er  lange  Jahre  innehatte.
Die  Weisheit  der  Verwaltung  in  einem  vom  Unglück  heimgesuchten
Lande  ist  nach  Schöns  Meinung  wesentlich  darin  beschlossen,  daß  sie  durch
kluge  Mittel  die  Selbsthilfe  der  Bewohner  befördert:  Der  Staat  soll  den
Geschädigten  die  Mittel  an  die  Hand  geben,  die  es  ihnen  ermöglichen,  sich
wieder  emporzuarbeiten;  er  soll  ihnen  nicht  diese  Arbeit  selbst  abnehmen.
Wo  Not  und  Mangel  herrscht,  hat  er  die  Aufgabe,  den  Notleidenden  Ge->)

  So  zuerst  Ernst  v.  Meier  (Die  Reform  der  Berwaltungsorganifationunter
Stein  und  Hardenberg,  2.  Ausl.  S.  139),  übernommen  auch  von  en  t
Schöns,  Franz  Rühl  (Nord  und  Süd  54,  1890,  S.  190fs>).
2 )  An  Grüner  29.  Januar  1812.  Rühl  I,  160.
°)  Sämtl.  Werke  VII,  268.  m  .  »m^wib
U  Nach  Erzählungen  von  Schöns  Schwiegerfohn,  von  Brünneck-Be  1
M.  Baumann,  Theodor  v.  Schön.  Seine  Geschichtsschreibung  un
Würdigkeit  1910,  S.  184.
            
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