Full text : Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

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nur  5626  Tlr.  zur  Wirtschaftseinrichtung  auf  Regulierungsländereieu  erhalten,
  Farenheid  allerdings  38000  Tlr.  zur  Schuldenablösnng  und
8000  Tlt.  als  Kulturkapital.  Aber  von  dem  Manne,  der  nach  dem  Kriege
vor  seinen  Schuldnern  nach  Polen  hatte  fliehen  müssen  und  dessen  Güter
1824  schon  einmal  in  landschastlicher  Sequestration  gestanden  hatten,  wird
sich  kaun,  behaupten  lassen,  daß  er  einer  Unterstützung  nicht  benötigt  hätte  %
Die  Unterstützungskapitalien  mußten  mit  4%  verzinst^)  und  nach  fünf
Jahren  in  festen  Raten  zurückgezahlt  werden.  Allen  Versuchen,  die  Zinsund
  Rückzahlungen  zu  umgehen,  hat  Schön  entgegengearbeitet.  „Die  Worte
Niederschlagung  und  Stundung  darf  ich  in  der  Landes-Unterstützungssache
nicht  statuieren,  ohne  in  Absicht  der  Zinsenzahlung  die  Landschaften  vollends
zu  lähmen."  In  Notfällen  hatte  Schön,  der  in  Ostpreußen  stets  bemüht
war,  Geldleistungen  durch  Naturalleistungen  zu  ersetzen,  die  Möglichkeit
sich  offen  gehalten,  statt  der  Zahlungen  Arbeiten  ausführen  zu  lassen.  Die
Gutsbesitzer,  die  nicht  zahlen  konnten,  sollten  z.  B.  eine  gewisse  Anzahl
Steine  zun,  Chausseeban  anfahren  lassen  oder  mit  ihren  Leuten  bei  Entwässerung ­
  eines  Sumpfes  oder  Sees  Hilfe  leisten.  Etwa  60000  Taler  sind
daraufhin  durch  Arbeiten  an  den  Straßen  Königsberg-Bartenstein,  Königsberg-Quednau,
  Preußisch-Holland-Elbing,  Stargard-Czarlin  abgetragen
worden.  Es  wurde  ferner  verstattet,  die  vom  Staat  verteilten  Schafe  in
natura  zurückzugeben.  Wenn  sich  aber  einzelne  Gutsbesitzer  wegen  völligen
Erlasses  des  Unterstützungskapitals  unmittelbar  an  den  König  wandten,
hat  Schön  immer  widerraten,  den,  Gesuche  stattzugeben  „des  sehr  nachteiligen ­
  Beispiels  wegen".  An  seinem  Widerspruch  sind  z.  B.  in  den  dreißiger
Jahren  mehrere  derartige  Immediatgesuche  des  Landschastsdirektors
Ben  eck  endorf  von  Hindenburg  gescheitert,  der  im  Jahre  1824  für
Neudeck  einen  Vorschuß  aus  den,  Unterstützungssonds  erhalten  hatte%
In  einen,  Fall,  in  den,  der  König  den  Erlaß  der  Zinsen  schon  in  Aussicht
gestellt  hatte,  schlug  Schön  eben  „des  Beispiels  wegen"  vor,  den  Betreffenden
die  Zinsen  zwar  zahlen  zu  lassen,  ihn,  aber  in  gleicher  Höhe  eine  Summe
aus  dem  Unterstützungsfonds  anzuweisen.
Mit  einem  Verlust  von  etwa  25%  bei  den  Rückzahlungen  hatte  Schön
aber  von  Anfang  an  gerechnet.  Auf  seinen  Antrag  wurde  schließlich  durch
Kabinettsordre  vom  26.  April  1831  den  Gutsbesitzern  gestattet,  die  Unterstützungskapitalien ­
  zu  66^3%  abzulösen,  und  1837  der  Zinsfuß  von  4  auf
3%  herabgesetzt.  Aus  der  Schlußabrechnung  von,  12.  August  1834  geht
hervor,  daß  bis  dahin  von  den  1%  Millionen  Talern  der  fünfte  Teil  wieder
')  Böhme  S.  78:  8  Farenheidsche  Güter  im  Kaufwert  von  546500  Tlr.  waren
1819  mit  394040  Tlr.  verschuldet.
2 )  Nur  das  Kulturkapital  blieb  drei  Jahre  zinsenfrei.
3 )  Geh.  St.  A.  80  6  XXI  Preußen  Spec.  E-H.  nr.  6.
            
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