Full text : Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

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Schön  wollte  nichts  damit  zu  tun  haben  und  brach  schon  auf  die  Nachricht
von  dieser  Publikation,  noch  ohne  sie  zu  kennen,  die  Verbindung  mit
Aveuarius  ab.  Sie  wurde  aber  alsbald  wieder  angeknüpft,  und  Avenarius
konnte,  mit  einer  Reiseunterstützung  der  ostpreußischen  Landschaft  versehen,
die  Provinz  selbst  aufsuchen  und  hat  daraufhin  eine  weitere  Propagandaschrift ­
  veröffentlicht^.
Einen  großen  Erfolg  haben  diese  Werbungen  im  Ausland  nicht
gehabt.  Wir  hören  wohl  mehrfach  von  außerpreußischen  Adeligen,  die
sich  nur  preußische  Güter  bewerben,  und  auch  bürgerliche  Landwirte  aus
Mecklenburg,  Bremen,  Braunschweig  und  Sachsen  haben  die  gute  Gelegenheit ­
  wahrgenommen.  Aber  in  der  Hauptsache  stammen  die  neuen
Erwerber  aus  der  Provinz  selbst 2 ).
Der  Kauf  ostpreußischer  Güter  war  damals  eine  sehr  gute  Kapitalsanlage. ­
  Die  außerordentlich  niedrigen  Erwerbspreise  verzinsten  sich  z.  T.
mit  10%.  Freilich  mußte  zur  Kaufsumme  gewöhnlich  noch  ein  stattlicher
Betrag  hinzugerechnet  werden,  um  die  Aufwendungen  für  die  Instandsetzung ­
  der  verwahrlosten  Güter  zu  bestreiten.  Immerhin  blieb  doch  ein
starker  Anreiz  für  das  Kapital,  und  Schöns  Hoffnung,  daß  die  bislang
verschuldeten  Güter  in  die  Hand  vermögender  Landwirte
kommen  würden,  scheint  nicht  unbegründet.  Trotzdem  lauten  die  Urteile
darüber,  inwieweit  seine  Absicht  erreicht  worden  ist,  verschieden  und  lassen
darauf  schließen,  daß  der  Erfolg  tatsächlich  in  den  einzelnen  Fällen  verschieden ­
  war.  Lette,  der  in  amtlichem  Auftrag  1846  die  Provinz  Preußen
bereiste,  berichtet,  daß  die  Güter  aus  den  Händen  der  alten  Familien  in
sehr  schlechtem  Zustand  an  fremde  und  zunächst  noch  weniger  rationelle
Besitzer  übergegangen  seien,  welche  bei  oft  unglaublich  geringen!  Erwerbsund ­
  Betriebskapital  zu  wesentlichen  Verbesserungen  ebensowenig  befähigt
gewesen  seien%  Im  gleichen  Jahre  hat  aber  eine  Kommission  des
0  Beiträge  zur  näheren  Kenntnis  der  Provinz  Preußen,  besonders  Ostpreußens,
vornehmlich  in  landwirtschaftlicher  Hinsicht,  nebst  Vorschlägen  zur  Verbesserung  der
Landwirtschaft  dieser  Provinz.  Erfurt  1829.  —  Die  Korrespondenz  mit  Avenarius:
Königsberg  L.  A.  Sekt.  II  Nr.  66.
2 )  Auf  einem  offensichtlichen  Mißverständnis  beruht  es,  wenn  Hermann  Mauer
in  seinem  an  neuen  Ausschlüssen  so  reichen  Buche  S.  129  schreibt:  „Von  238  Gütern,
die  in  den  Jahren  1807—31  in  Ostpreußen  zur  Subhastation  kamen,  gelangten,  wie
aus  den  Landschaftsakten  hervorgeht,  nur  etwa  5—10  in  die  Hände  von  eingesessenen
Gutsbesitzern."  In  den  tabellarischen  Übersichten  der  Landschaft  über  Subhastationen
wird  nämlich  geschieden  zwischen  Gütern,  die  „der  Landschaft  adjudiziert"  und  solchen,
die  „an  Fremde  verkauft"  sind.  „Der  Landschaft  adjudiziert"  sind  die  Güter,  die  sie
auf  Grund  des  1816  erworbenen  Rechts  in  der  Subhastation  selbst  extrahiert  hat.  „An
Fremde  verkauft"  ist  demnach  jedes  Gut,  das  nicht  in  den  eigenen  Besitz  der  Landschaft
übergegangen  ist.
3 )  Annalen  der  Landwirtschaft  i.  b.  Kgl.  preuß.  Staaten,  Bd.  10  (1847),  S.  5.
            
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